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Verbringt mit uns Silvester in Konso

Äthiopien

Silvester in Äthiopien - Drei Tage in und um Konso


Blick auf die Umgebung von Konso im Süden von Äthiopien

Steffi von Steffis Traumzeit hat auf Ihrem Blog gefragt: Silvester zu Hause oder unterwegs? Andere Länder andere Sitten? Welche Silvesterrituale hast Du kennen gelernt? Wie und wo feierst Du? Magst Du die riesige wilde Party oder hast Du vielleicht Silvester in totaler Stille erlebt?

Letzteres.

Dieses Jahr habe ich Weihnachten und Silvester in Äthiopien verlebt. Eine ambivalente traumhafte Zeit in einem ambivalent traumhaften Land.

Blumen in Konso

Das Leben in Äthiopien ist anders - Das Reisen auch

Letzteres auch, da in Äthiopien ein anderer Kalender gilt und Silvester im September unserer Zeitrechnung liegt. Doch nicht nur das ist anders in Äthiopien. Auch die Uhren ticken anders. In Äthiopien beginnt ein neuer Tag um 06.00 Uhr morgens – sozusagen mit Sonnenaufgang. Dies führte während unserer Reise nicht nur einmal zu leichter Konfusion bei allen Beteiligten. Neben den Uhren tickt auch das Leben anders. Äthiopien gehört immer noch zu den ärmsten Ländern unserer Erde. Und für den Tourismus kaum erschlossen. Dennoch hat dieser schon erste Spuren hinterlassen. Und von diesen Spuren, die wir Reisenden hinterlassen, möchte ich heute hier berichten, genauso wie von den Menschen, ihrer Kultur und dem Land.

Eines der Dörfer der Konso in Äthiopien

Konso - Das Tor zu den Naturvölkern im Süden Äthiopiens

Am Silvestertag erreichen wir Konso, eine kleine Stadt im Süden Äthiopiens, die als Tor zu den Naturvölkern des Omo-Valley gilt. Konso wird dadurch stärker von Touristen frequentiert als andere kleine Ortschaften. Doch auch wen es nicht weiter in den Süden zieht, verweilt gerne in dem am Hang gelegenen Ort und besucht den Stamm der Konso, der vor allem durch seine Begräbnisrituale und die terrassenförmige Agrarwirtschaft bekannt ist, die durch die Erosionsgefahr in den Hängen bedingt ist. Zu den Konso gehören ca. 250.000 Menschen, die sich auf verschiedene Dorfgemeinschaften verteilen. Sie leben – wie die meisten Äthiopier – in einfachen Hütten zusammen mit Ziegen, Schafen, Eseln und Kühen. 12 der Konso-Dörfer sind von festen Mauern umgeben, die von einer kriegerischen Vergangenheit zeugen und heute zum Weltkulturerbe zählen. In der Mitte jedes Dorfes befindet sich ein Stammesbaum, der die Generationen zählt – jedes 18. Jahr kommt ein weiter Stamm hinzu, der immer größer sein muss als der vorangegangene.

Stammesbaum in einem Dorf der Konso

In Konso lernen wir viel - Äthiopien ein ambivalentes Reiseziel

Als wir bei unserem Besuch zum Stammesbaum kommen, spielen dort ein paar Kinder Fußball und blicken uns interessiert an. Zu unserer Freude dürfen wir kurz etwas mitkicken. Dabei fällt uns auf, dass einige der Kinder ganz einfache, aber filigran gebastelte Brillen aus dünnen Holzstäbchen tragen. Da die meisten Touristen bei ihrem Besuch der Konso-Dörfer Sonnenbrillen tragen, haben die Dorfkinder diesen Trend übernommen und sich mit einfachsten Mitteln eigene kleine Holzbrillen gebastelt.  

Wir müssen schmunzeln, bei dem Gedanken, auf welch unerwartete Weise wir mitunter Spuren hinterlassen. Doch unser touristischer Einfluss ist vielfältig und auch nicht immer positiv. Oft begrüßen uns die Kinder mit „One Birr! One Birr! (äthiopische Währung)“ oder „Dollar, Dollar!“. Das wirkt zwar durchaus noch ganz niedlich, zeigt aber mitunter deutlich auf, welchen Stellenwert der westliche Reisende im Land hat.

Hauptstraße in der Stadt Konso in Äthiopien

Wie ist es als Reisender in einem der ärmsten Länder der Erde?

Wer die Menschen selbst fotografieren möchte, sollte vorher um Erlaubnis bitten und den Portraitierten hinterher mit einer kleinen Spende entlohnen, denn es ist in Äthiopien Gang und Gäbe, für Portrait-Fotos zu bezahlen. Es waren viele Kleinigkeiten, die mich auf unserer fast dreiwöchigen Reise immer wieder an mein Tweet-Gespräch mit den Reiseblogs kofferpacken.at und opjueck.de denken ließen. Via Twitter war ich auf den Artikel von Maria von kofferpacken.at über die Region Sa Pa in Vietnam mit dem Titel „Tourismus – Segen oder Fluch“ aufmerksam geworden. Genauso wie Bettina von opjueck.de, denn sie schrieb noch am selben Nachmittag einen nicht weniger eindringlichen Artikel über ihre Reiseerfahrungen in Sa Pa nur 7 Jahre zuvor. Es wird deutlich, wie sehr sich Leben und Tourismus vor Ort in dieser doch relativ kurzen Zeitspanne verändert haben.

Selbst in einem Land wie Äthiopien, welches immer noch eher als Destination für erfahrene Globetrotter mit Hang zu weniger ausgetretenen Pfaden gilt, können wir wenigen Reisenden, die von uns hinterlassenen Spuren nicht übersehen. Doch reicht es, sich der Verantwortung und des eigenen Einflusses bewusst zu werden?

Blick in die Berge von einem der Konso-Dörfer

Ein ganz besonderer Silvester-Nachmittag in Äthiopien

Am Silvester-Nachmittag besuchen wir das Waka-Museum. Dort sind in einer kleinen Halle einige der Begräbnisstatuen ausgestellt. Ganz vereinzelt stehen noch welche in der Region in und um Konso, doch viele sind gestohlen und an Sammler nach Europa verkauft worden. Einmal bewegt haben sie ihre ‚Macht‘ verloren und können nach dem Glauben der Konso auch nicht mehr aufgerichtet werden. Nach dem Museumsbesuch möchte uns der Museumswärter noch auf ein äthiopisches Bier einladen, was jeder, der mit einem herkömmlichen europäischen Magen ausgestattet ist, jedoch besser schnell aber mit bestem Dank ablehnt. Danach spazieren wir mit ihm in den oberen Teil von Konso, von wo man einen guten Blick auf die bewirtschafteten Terrassen hat. Auf dem Weg treffen wir ein Mädchen namens Mandela. Sie kommt vom Brunnen und bringt ihrer Familie Wasser. Sie gehe zur Schule und sei zehn Jahre alt, berichtet Mandela mir stolz aber schüchtern auf Englisch. Wir gehen noch ein paar Meter miteinander, bevor sich unsere Wege trennen. Das Wasserholen ist in ganz Äthiopien Aufgabe der Frauen und Mädchen. In großen gelben Plastikkanistern, die mit Seilen auf den Rücken gebunden werden, schleppen sie das Wasser oftmals über weite Strecken vom Brunnen nach Hause – eine aufrechte Haltung ist durch das Gewicht nicht möglich. Gerade früh morgens und am späteren Abend kann man diese alltägliche (Schwerst-)Arbeit überall im Land beobachten.

Fasting Food bestehend aus Injera mit verschiedenen Beilagen

Gedanken um das Reisen und das große Glück - aber für alle?

Viele Gedanken gehen mir am Silvesterabend durch den Kopf. Gedanken über das große Glück des Reisenden, über Verantwortung und Veränderung, Einfluss und Fortschritt. Über das Reisen in Äthiopien heute und in Zukunft. Und über Mandela. Wir sitzen nach dem vegetarischen Abendessen (denn mittwochs ist Fastentag in Äthiopien - das traditionelle Fasting Food besteht aus Injera mit verschiedenen Beilagen) noch mit Franzosen und Niederländern zusammen, sprechen über die Silvester-Rituale in unseren Heimatländern und genießen dazu Oliebollen – kleine frittierte Quarkbällchen, deren Zutaten eigens für diesen Abend aus den Niederlanden mit nach Äthiopien gebracht wurden.

Ein schöner, aber stiller Abend mit der Gewissheit, am nächsten Morgen in einem traumhaft ambivalenten Land aufzuwachen in dem es für uns noch so viel zu sehen und zu erleben gibt.

Die Flesformation New York von Äthiopien bei Konso

Die landschaftliche Schönheit Äthiopiens, die nur wir Reisenden sehen

Auf unserer Reise durch Äthiopien frage ich die Menschen oft: Seht ihr, wie wunderschön es um euch herum ist? Die Schönheit der Landschaft wird für die Menschen in Äthiopien durch die Alltäglichkeit, das schwere Leben und die Armut überlagert. Die Felsformation „New York“ liegt nur unweit von Konso, in der Nähe von Gesergio. Unser Guide erzählt uns, dass nicht alle Konso die Felsen kennen, geschweige denn diesen Ort besucht haben. Die Legende besagt, dass die Form der Sandsteinfelsen durch den Zauber eines Stammesältesten hervorgerufen wurde, um den Aufenthaltsort seiner gestohlenen Trommel zu offenbaren. Eindrucksvoll und rotleuchtend zeigen sich uns die ‚Wolkenkratzer‘ aus Sandstein. Der Spitzname „New York“, den Touristen aufgrund der offensichtlichen Ähnlichkeit vergaben, ist heute auch bei den Einheimischen allgemein gebräuchlich – einen einheimischen Namen gibt es nicht. Wieder ein Zeichen dafür, wie sehr der Tourismus eine Gegend beeinflussen kann.

Was wir als Reisende tun können und müssen, ist von unseren Reisen daheim zu erzählen - von den Begegnungen, den Kulturen, dem anderen Leben - damit wir auch hier Spuren hinterlassen, nicht nur in dem Land, das wir bereisen.

Sonne am Neujahrsmorgen in Konso, Äthiopien
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