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Blogparade: Stadt, Land, Fluss – Zambezi! Flussabenteuer rund um die Victoriafälle


Eigentlich wollten wir schon ganz lange über den Zambezi geschrieben habe, aber immer wieder kam ein anderer Beitrag dazwischen. Und schließlich lag unser Flussabenteuer aus dem Jahr 2006 auch schon etwas zurück.  

Aber dann kam Polly, nein, Ferngeweht :)

Durch ihre wunderbare Blogparade Stadt, Land, Fluss - die XXL-Runde ist es jetzt endlich soweit.  Wir haben uns fast den Victoriafällen gleich auf das noch freie Z „gestürzt“, und erzählen nun von unseren drei unvergesslichen Tagen am Zambezi.

Zambezi unter Wolken am Abend

Zambezi – Wir kommen!

Aus Namibia kommend und nach mehreren Tagen im Okavango Delta nähern wir uns über lehmige kleine Straßen unserem Ziel in Sambia: Livingstone, wo die Victoriafälle den Zambezi über Hundertmeter in die Tiefe donnern lassen. Dreieinhalb Tage werden wir hier verbringen, bevor wir mit einer kleinen fragwürdigen afrikanischen Fluglinie weiter nach Kapstadt reisen.

Schon im Auto besprechen wir, wie wir die Tage rund um den Zambezi und die Victoriafälle verbringen wollen. Unwissend und leichtsinnig wie wir waren, entscheiden wir uns für White Water Rafting am ersten Tag. Tags drauf wollen wir mit Ultraleicht-Flugzeug in die Lüfte und zum Ausklang am Abend mit einem Boot über den viertlängsten afrikanischen Fluss schippern. Zum Abschluss dann die Victoriafälle aus der Nähe anschauen. Klingt gut, ist gut, wird so gemacht.

Voller Vorfreude auf den nächsten Tag schauen wir am ersten Abend in Livingstone entspannt und aus trockener Entfernung den Kanu-Schülern im kleinen Pool des Backpackers bei ihren ersten holprigen Versuchen einer Eskimorolle zu. Hätten wir gewusst, was der Zambezi am ersten Tag für uns bereithält, wären wir in den Pool gesprungen, hätten das Kanu geentert und den Eskimo auf unser Raft verschleppt :-)

Ruhig fließt der Zambezi vor den Victoriafällen

Wilder Zambezi - White Water Rafting auf dem Zambezi

Morgens früh wurden wir am Backpacker eingesammelt, ohne zu wissen welcher Wasser-Alptraum auf uns warten würde. Kameras und Handy sind auch ohne dieses Wissen wohlweislich im Backpacker verblieben, denn ich hatte schon in NRW so einige tragische Kanu-Erlebnisse, und so gibt es von der nun folgenden „Zambezi-Wasser-Tortur“ leider keine Bilder.

Irgendwann hält der Bus mit uns innen drin und den Rafting-Materialen (Paddel, Schwimmwesten) auf dem Dach an und wir werden angewiesen uns durchs Grün eine ziemlich steile Böschung runterzukämpfen. Vom Fluss ist noch minutenlang nichts zu sehen, nur das mächtige Brausen klingt schon an unser Ohr. Oh - wären wir doch nur auf unseren Flip-Flop-Hacken schnurstracks umgekehrt :-) Wir erreichen nach guten 10 Minuten eine kleine „Bucht“ in dem die gelben Rafts und weitere Guides schon auf uns warten. Wir werden auf drei Boote verteilt und jedes erhält eine Einführung. Damit wir erkennen, dass vom Raft zu fallen, angeblich gar nicht so schlimm ist, werde ich gepackt, und von einem Guide ins Wasser geschupst. Stimmt, so schlimm ist es in der noch ruhigen Umgebung des Flussknicks nicht und auch die Schwimmweste suggeriert Sicherheit. Dann erklärt er, wie wir uns verhalten sollen, wenn wir unfreiwillig von Bord gehen. Embryo-Stellung einnehmen und uns einfach treiben lassen, bis wir nach der Stromschnelle, die uns von Bord geweht hat, in ruhigeren Gefilden des Zambezi von alleine wieder „aufpopppen“. Sollten  wir unter das Raft geraten, an den außen langgehenden Schnüren unter dem Raft festhalten und dort verbleiben – und ansonsten alles wie bei Anweisung 1. Ja dann mal Tau!

Schon früh müssen wir gegen heftige Stromschnellen ankämpfen – und verlieren. Unser Raft kippt und unsere Körper sind der Strömung sowie den scharfen Kanten der Felsen am Rand ausgeliefert. Während die Strömung uns mitreißt, reißt der Fels als Gegenleistung unsere Haut mit und beschenkt uns zudem mit blauen Flecken. Ok, wieder aufgepoppt und weiter. Einmal ist keinmal, oder wie war das?

Ein wenig später müssen wir ausnahmsweise mal mit Absicht das Raft verlassen, um eine ganz besonders brisante Stromschnelle herumtragen. Schon da freuen wir uns über den festen Boden unter unseren Füßen und schauen nur fassungslos und beeindruckt den vereinzelten Kanufahrern zu, die die Stromschnelle mühelos zu besiegen scheinen. Zu den Kanuanfängern aus unseren Backpacker gehören diese jedenfalls nicht :-)

Und weiter geht’s auf dem Fluss der Hölle, wie jetzt diesen Abschnitt des Zambezi nennen. Um einen herum sind nur die meterhohen Schluchten, die das Rafting-Erlebnis noch intensiver erscheinen lassen. Kurze Zeit später kentern wir erneut, als wir gegen monströse Wellen ankämpfen. Diesmal hänge ich unter dem Raft. Als das Raft endlich wieder nach gefühlten Ewigkeiten (der Panik!!!) die Stromschnelle passiert hat, hangle ich mich an der Schnur an die lebensrettende Wasseroberfläche. Das bis heute das einzige gefühlte Nahtod-Erlebnis meines Lebens. An der Wasseroberfläche schreie ich, obwohl ich eigentlich keine Luft mehr in meinen Lungen haben dürfte, sofort und in Panik nach meiner Freundin. Sekunden vergehen und ich schreie immer lauter, bis ich endlich meinen Namen höre. Wir sind total erschöpft und kaum zu Überlebensfreude fähig.

Aber wir sind nicht die Einzigen, die sich an diesem Tag dem Fluss ergeben müssen. Zum Glück gibt es auf der Hälfte des Weges eine steile Felswand an der eine Art Treppe aus kleinen Vorsprüngen und Seilen zum Festhalten angebracht ist. Wir lassen das Raft Raft sein, auch wenn der Blick auf die Wand, die wir bezwingen müssen, nicht minder angsteinflößend ist. Gemeinsam mit zwei Schweizern, die aus einem anderen Raft ausgestiegen sind, kämpfen wir uns unter gleißender Sonne die Schlucht hoch. Als wir nach einer knappen Stunde oben angekommen sind, muss sich einer der Schweizer übergeben. Wir haben Mitleid, doch das Glück, dass wir „nur“ mit dem Fluss und nicht mit unserem Inneren kämpfen mussten, überwiegt. Wir warten im Schatten liegend, und zu keiner Bewegung und zu keinem Wort mehr fähig, auf unseren Bus. Unsere Körper sind voller blauer Flecken, großer Schürfwunden und Sonnenbrand. Erst zwei Tage später erfahren wir, dass wir die Letzten auf der Rafting-Strecke waren. Nach uns wurde die Strecke wegen Hochwassers und damit zu hoher Gefahr geschlossen.

Das war es also! Mein erstes Zusammentreffen mit dem Zambezi. Zugegeben, es hätte freundlicher und weniger verstörend sein können :-)

Am nächsten Tag sollten wir dann den ruhigeren, aber nicht minder mächtigen Zambezi kennenlernen.

Boot auf dem Zambezi

Sanfter Zambezi – Aus der Luft und zu Wasser den Zambezi erkunden

Die Rafting-Strecke liegt hinter den Victoriafällen und führt durch die steilen Schluchten, die der Zambezi über Jahrhunderte in den Fels gefressen hat. Denn vor langer Zeit waren die Victoriafälle noch an einer ganz anderen Stelle. Durch die spezielle Geologie und die Erosion durch die Wassermassen entstehen immer wieder neue Bruchkanten, so dass hinter den Victoriafällen die reißenden Flusspassagen entstanden sind, die jedem Extremsportler die Tränen vor Freude in die Augen treiben - und in unserem Fall die Tränen der Angst :-). Vor den Fällen jedoch schmiegt sich ein sanfter und gemächlicher Fluss in die grüne Umgebung, bevor die auf über 1700 Meter Breite verteilten Wassermengen die ca. 110 Meter tiefe Schlucht hinunterstürzen.

Um dieses wunderbare Naturschauspiel von Wassermassen, Fällen, Sprühnebel und Schluchten in Gänze zu erfassen, steigt man am besten in die Lüfte. Und vor der anstehenden Bootstour am Abend, war es uns auch ganz recht, diesmal das Wasser aus der sicheren Ferne zu sehen.

Nach einer kurzen Autofahrt wartet an einem kleinen Flugplatz mit einer wirklich kleinen Start- und Landebahn das Ultraleicht-Flugzeug auf mich. Ich werde in einen blauen Anzug gesteckt, bekomme Helm und Brille und entledige mich cool meiner Flip Flops – barfuß in die Lüfte. Das kleine Gefährt nimmt schnell an Fahrt auf. Wir steigen nach oben und der Wind saust und braust über meinen blauen Fluganzug. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes himmlisch, denn mit einem Ultraleichtflieger fühlt sich Fliegen wie Fliegen an.

Blick auf die Victoriafälle vom Ultraleicht-Flugzeug

Schnell erspähe ich die mörderischen und engen Schluchten, über deren Nordrand sich jeweils in ferner Vergangenheit die Vorgänger der heutigen Victoriafälle ergossen, und die wir am Vortag über und leider auch unter der Wasseroberfläche durchquerten. Nicht zu übersehen ist auch der Wassersprüh-Nebel, der sich wie eine monströse Wand von den Victoriafällen erhebt. Hinter der Nebelwand zeigt sich der Zambezi von seiner imposanten, aber zugleich sanften Seite. Breit, breiter, Zambezi! Am Flussrand liegen Krokodile, die wie Mini-Spielzeug-Salamander im Sand verstreut liegen. Elefanten wandern seelenruhig durch die Landschaft. Das ist Afrika at ist best und ein Glücksgluckser meinerseits lässt sich nicht unterdrücken. Zurück am Boden steigt die Vorfreude auf die anstehende Bootstour, denn aus der Luft aus, konnte ich mir nun auch der sanften Seite des Zambezi gewiss sein.

Mit dem Ultraleichtflugzeug über die Victoriafälle
Blick auf den Sprühnebel der Victoriafälle vom Utlraleichtflugzeug
Blick vom Ultraleichtflugzeug auf eine Gruppe Elefanten

Am späteren Nachmittag schippert unser Boot unter afrikanischer Abendsonne los. Nilpferde nehmen am Rand des Flusses ihr Abendessen zu sich. Wie sie da so im Wasser vor sich hin dümpeln, mag man nicht meinen, dass diese zu den gefährlichsten Wildtieren gehören. Ist ein Nilpferd einmal in Bewegung, ist es nur schwerlich zu stoppen. Nie sollte man zwischen ein Nilpferd und das Wasser stellen. Abstand halten sowieso! Kurz bevor wir Livingstone erreichten, zelteten wir auf einem Camping-Platz an einem Ausläufer des Okavango. Wir wurden mehrmals mit Nachdruck darauf hingewiesen nachts nur direkt neben das Zelt zu pinkeln - mit einer Hand am besten an der Zeltwand. Denn Zelte sind groß genug um von Nilpferden ausreichend als Hindernis wahrgenommen zu werden. Ein einzelner Mensch hingegen nicht. So war der Weg zu den Toiletten in der Mitte des Camping-Platzes in der Dunkelheit viel zu gefährlich.

Nilpferde dümpeln gemütlich im Zambezi
Gruppe Nilpferde am Flussufer im Zambezi

Wir hätten ewig bei den Nilpferden verweilen können...doch die Motoren werden wieder angeschmissen und langsam gleiten wir auf dem sich nur leicht kräuselnden Zambezi weiter dahin.

Boot auf dem Zambezi, Wolken im Hintergrund

Die Luft ist warm und schwül, schwere drückende Wolken entwickeln sich über dem ruhig dahinfließenden dunklen Riesen - aber Regen liegt nicht in der Luft. Der Zambezi hat uns komplett in seinen Bann gezogen. Seelig kehren wir in tiefschwarzer Nacht zurück in den Backpacker.

Dunkle Wolken über dem Zambezi am Abend
Abendsonne über dem Zambezi

Die Victoriafälle – Wo der Zambezi sich in donnerndem Rauch ergibt

Unser letzter Tag am Zambezi bricht herein. Schon so viele Eindrücke und Abenteuer liegen hinter uns. Am Eingang zu den Victoriafällen kann man neben afrikanischen Andenken Regencapes und Schirme erwerben. Wir huschen zielstrebig an den Verkäufern vorbei, denn wir sind wohlweislich schon mit Regenjacke und Kopfbedeckung ausgestattet.

Auf schattigen Pfaden schlängeln wir uns gen Victoriafälle – immer weiter dem lauten Tosen entgegen. Die Wege sind feucht und unter dem großen grünen Palmdach ist es angenehm kühl. Durch das tiefgrüne Pflanzendickicht erspähen wir nach wenigen Minuten die weiße Nebelwand der Victoriafälle. Nach wenigen Metern haben wir dann freien Blick auf den donnernden Rauch.

Tourist mit Regenjacke und Kopftuch vor den Victoriafällen

Unsere Regenjacke und unsere Kopfbedeckungen werden am Rande des Aussichtspunktes ihres Zweckes gerecht. Selbst mit großem Abstand entkommt man dem Sprühnebel nicht. Egal welchen Pfad wir einschlagen und von welcher Stelle wir die Fälle begutachten, wir sind stets gut eingefeuchtet und fühlen uns beinah durch die gute Bewässerung fünf Zentimeter größer :-)

Wir verbringen noch eine weitere Stunde am Rand der Fälle bevor es Zeit ist zum Backpacker zurückzukehren und vor dem Abflug am nächsten Tag noch einmal großzügig mit allerlei Heilmittel unsere Blessuren vom ersten Tag zu verarzten.

Blick von einem Pfad auf die Victoriafälle
Victoriafälle und die Schlucht

Nun ist es Zeit Abschied zu nehmen, unser Flieger nach Südafrika wartet. Am Abflugtag ist es noch heißer und schwüler als die Tage zuvor. Was fast zu viel für den Menschen ist, ist auf jeden Fall zu viel für die Klimaanlage am Flughafen. So kommt es, dass wir anstatt in der Wartehalle am Rande des Flugfelds Platz nehmen. Die Flughafen-Mitarbeiter haben kurzerhand die gesicherten Türen geöffnet und die Wartebänke auf die Wiese am Vorfeld getragen. Wir lassen uns natürlich nicht zweimal bitten! Ob wir wohl ins richtige Flugzeug steigen? :-)

Wartereihen am Rand des Rollfeldes am Flughafen Livingstone

Wir haben damals nur einen Mini-Bruchteil des viertlängsten Flusses Afrikas gesehen – wenngleich einen sehr beeindruckenden Bruchteil. In welchem Land wir den Zambezi beim nächsten Mail besuchen, steht leider noch in den Flusskrebssternen...

Danke Ferngeweht, dass wir durch deine Blogparade unsere Tage am Zambezi nochmal Revue passieren lassen konnten!

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Kommentare

  • Sabine von Ferngeweht
    Website

    31.05.2016 | 12:59 Uhr
    Danke für den spannenden Beitrag zu meinem Stadt-Land-Fluss-Projekt! Himmel, die Flussfahrt hätte ich aber auch nicht machen wollen. Gut, dass Euch nichts passiert ist ...
  • Eva
    Website

    20.06.2016 | 15:33 Uhr
    Respekt. Du hast dich wirklich in so ein fliegendes Ding gesetzt. Wir waren zur Regenzeit in Zambia (schon länger her) und ich habe viel mit mir gehadert auch einen Ultra-Leicht-Flug auszuprobieren. Wegen der ständigen Gewitter haben wir es dann sein lassen und war dann och erleichtert, denn ich hatte tierisch Schiß!
  • Gudrun
    Website

    19.07.2016 | 12:33 Uhr
    Wow, was für eine coole Geschichte! Und wow, zum Glück habt ihr überlebt! Kanus oder Rafts bin ich generell sehr misstrauisch eingestellt, da würde ich mich ehrlicherweise nie reinsetzen. Aber eine Fahrt mit dem Leichtflugzeug nehme ich gerne! Tolle Bilder übrigens!