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Afrika erleben: Äthiopien - Roadtrip durch die Wiege der Menschheit


Nachdem wir im Rahmen unserer Afrikawochen bereits einen Äthiopienreisenden befragt haben (nachzulesen hier), kommt heute nun ein zweiter Reisebericht über das Land, das viele als potentielles Reiseziel gar nicht so wirklich auf dem Schirm haben. Dabei gibt es wahnsinnig viel zu sehen und zu erleben!

Hier nun der Reisebericht von Stephan und Edith aus Köln:

Faszinierende, abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaften, gepaart mit großartigen, uralten Kultur- und Architekturschätzen, gespickt mit hochspannenden geschichtlich-religiösen Berichten, umsorgt von sehr zugewandten und gastfreundlichen Menschen und als Sahnehäubchen: Leckeres Essen.

So in etwa lautet die Kurzzusammenfassung unseres ersten Eindrucks von Äthiopien, dem nördlichen Teil des Landes, auf dem Weg zur Grenze nach Eritrea.   

Um einen tieferen Einblick in das Leben der Menschen in einem fremden Land zu bekommen benötigt es immer viel Zeit. Dennoch ist Äthiopien auch eine kurze Reise (2-3 Wochen) wert, der Flug nach Addis Abeba dauert bloß sechs Stunden.

Fahrer oder Überlandbus?

Es lohnt sich, vorab eine Entscheidung zu treffen, welchen Teil des Landes man erkunden möchte. Die Infrastruktur vor Ort ist nach den zahlreichen Konflikten der letzten Jahrzehnte sehr eingeschränkt. So fahren zwar öffentliche Busse auf den Sandpisten und teils stark beschädigten asphaltierten Strassen, aber aufgrund dieser Verhältnisse ist man hier viele Tage unterwegs. Eigentlich eine spannende Erfahrung, aber ausgehend von 2-3 Wochen, die zur Verfügung stehen, ist ein Auto mit Fahrer sehr zu empfehlen, zumindest für einen Teil der Reise.

Von Addis nach Mekele - Traumlandschaften im Vorbeifahren

Von Addis über Woldia, vorbei am Ashenge-See gelangt man in zwei Tagen nach Mekele. Eine weite, schluchtenreiche, hügelige, terrassenförmige und von Serpentinenstrassen geprägte Landschaft, belohnt durch Schönheit und Abwechslungsreichtum die langen Stunden im Auto. 

Mekele ist eine Großstadt mit Flair, es herrscht eine freundliche, kleinstädtisch, nachbarschaftliche Atmosphäre. Von hier aus führt der Weg weiter nach Wukro, wo der Besuch der Felskirche Wukro Cherkos einen ersten Einblick in die Faszination dieser Bauwerke bietet. 

Faszination Felsenkirchen

Felsenkirchen sind im nördlichen Äthiopien überall zu finden. Hier sind sie vermutlich im 8. Jh. im Zuge der Christianisierung Äthiopiens erbaut worden. Die komplexe Geschichte der vorherrschenden christlich-orthodoxen Religion und der Bauwerke, Symbole und Bilder und die damit einhergehende Gläubigkeit der Menschen sind eng verwurzelt mit dem Land und dem Bann, in den es den Reisenden zieht.

Die Kirchen sind fast ausschließlich Meisterwerke der Baukunst, da sie in der Regel aus einem einzigen Fels herausgeschlagen wurden. Dabei unterscheiden sich die Gebäude, die in die Erde hinein nach unten gehauen wurden von solchen, die halb oder komplett in den Fels gebaut auf Bodenniveau entstanden sind.

Abuna Yemata

Durch eine beeindruckende, terrassenförmige und durch Tafelberge gesäumte Landschaft gelangt man am Mittag nach dem Aufbruch in Mekele in das verschlafene Örtchen Hawzien. Ein Muss ist der Aufstieg zur Felsenkirche Abuna Yemata. Vom Erdboden aus nicht sichtbar, liegt sie mindestens 100 m in der Höhe, eingeschlagen in ein Felsmassiv, dass es u.a. mit einem Seil zu erklimmen gilt. Der Ausblick und die, knapp 10 x 8 m große Felsenkirche mit ihren wundervollen Malereien im Inneren belohnt für den teils schwindelerregenden, schweißtreibenden und nicht ganz ungefährlichen Aufstieg. 

Von Hawzien führt die Reise früh morgens nahe an die Grenze zu Eritrea zum Kloster Derbe Damo, welches hoch auf einem Felsplateau thront und den männlichen Erdenbürgern zur Besichtigung vorbehalten ist. Auch hier bedarf es eines Seils für den Aufstieg. 

Nachmittags kann man einen kleinen Stopp im schnuckligen Örtchen Yeha einlegen, welches mit dem Besuch der Kirche und des Tempels wirbt. Dafür allein lohnt sich die Fahrt nicht wirklich, durchaus aber für das bunte Treiben in dem kleinen Dörfchen und die freudig und freundlich uns zugewandten, interessierten Bewohner.

Am Abend kommt man nach Aksum, wo man bei Bedarf einen vollen Tag für Stelenpark, Ruinen und Kirchen einplanen kann, aber nicht muss. Hier ist sicher das Interesse an eben jenen Stelen gefragt und auch die Bereitschaft, die verhältnismäßig hohen Eintrittspreise zu zahlen.

Kickern als Volkssport

Hervorragend eignet sich Aksum, um sich dem Kickerspiel zu widmen- ein Volksport in Äthiopien, wo eine Vielzahl von Kickertischen in den verschiedenen Orten, entgeltlich genutzt werden können. Manchmal organisiert jemand die Spiele, so dass auch um Einsätze gekickt wird. 

Die Reise führt uns weiter nach Debark in die Simien Mountains. Ein ebenso anstrengender, wie auch landschaftlich beeindruckender Tag führt über Serpentienenstrassen (gerade im Bau) durch die Berge. Die Strapazen durch die katastrophalen Straßenverhältnisse werden aber spätestens am nächsten Tag belohnt, wenn Debark aus den Regenwolken des Nachmittags erwacht.
Trekking Touren in die Berge faszinieren durch eine klare Sicht in die weite Umgebung und eine Vielzahl von Pflanzen und Blutbrustpavianen, die das Bild des Nationalparks prägen.

Je nachdem wie wanderbegeistert sich der Reisende zeigt, kann man mehrere Tage und Nächte im Park und dessen einfachen Unterkünften verbringen. Es heißt, je tiefer man sich in den Park hinein begibt, desto größter scheint die Chance, einen der wenigen äthiopischen Wölfe zu sichten. 

Von Debark aus schafft man es in knapp zwei Stunden bis Gonder, einer recht schönen Stadt mit Burgfestung. Von hier führte uns der Weg nach Lalibela. Wieder einmal durch traumhafte Landschaften und wieder einmal durch eine völlig andere Umgebung, als die bisher gesehene. 

Lalibela

Lalibela liegt abseits jeglicher Hauptverkehrsadern am Fuße des Mount Asketen. Trotz der Abgeschiedenheit des Ortes wird er von einheimischen Pilgern wie von Touristen bevölkert, da es eine Vielzahl von Felsenkirchen in und um das Städtchen herum gibt.  

Die Besichtigung der Felsenkirchen in Lalibela bedarf dringend eines erfahrenen Guides, den man am besten im Touristenbüro vor Ort bucht.  Um die umliegenden Kirchen zu finden, braucht man neben einem fahrbaren Untersatz die Ortskenntnis eines Fahrers, um sie in der Weite der Sandpisten zu finden.

Um die Kirchen zu erkunden, braucht man den Guide als Navigator in den zahlreichen, verwirrenden Untertunnelungen, die die Kirchen und Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden.

Von Lalibela aus ist ein Trek in die Umgebung sehr zu empfehlen, da, wie überall in diesem Teil der Welt, die Landschaft überwältigend ist. Aber man bekommt auch einen Einblick in das tägliche Arbeitsleben von Mensch und Vieh hoch oben auf den Felsplateaus. Möglicherweise hat man das Glück die Bergdörfer besuchen zu können. Und auch hier gilt: Je länger man unterwegs ist, je abgeschiedener das Ziel, desto authentischer das Leben und desto größer die Chance auf seltene Tierarten. 

Würden wir aufgefordert frei aus dem Bauch zu assoziieren, woran wir spontan bei bei Äthiopien denken, so würden wir natürlich zuerst, die vielfach erwähnte und beeindruckende Landschaft nennen. Und dann wären da die vielen kleinen 'Normalitäten'“ des äthiopischen Alltags, die in diesem Bericht nicht unerwähnt bleiben dürfen: 

Äthiopische Leckerbissen: Von Injera bis Kaffee

Äthiopier essen nicht mit Besteck, sie häufen ihr Essen auf Injera, den traditionellen Sauerteigfladen. Der wird auf Gusseisen über dem offenen Feuer gebacken und ist weitaus größer als ein Pfannkuchen. Das Brot wird dann auf Platten serviert, darauf kippt man das Gericht: Linsen, Gemüse oder, wer genug Geld hat, auch Fleisch, wie Ziege und Rind. Gegessen wird mit der rechten Hand, womit Stücke des Injeras abgerissen werden, womit wiederum das jeweilige Gericht zum Mund geführt wird.  

Eine weiterer kulinarischer Genuss ist der äthiopische Kaffee, der in weihrauchlastigen Kaffeezeremonien zubereitet wird. 

Nicht zuletzt ist die Spiritualität der Menschen im Alltagsleben deutlich spürbar. Junge und Alte leben gleichermaßen orientiert an religiösen Feierlichkeiten und Festen, die zumindest in diesem Teil Äthiopiens augenscheinlich sehr intensiv zelebriert werden. Auch das regelmäßige Pilgern zu den verschiedenen heiligen Stätten und Kirchen schien sich durch die Generationen zu ziehen. 

Budget - Äthiopien für kleines Geld?

Der Reiserahmen ist, wie überall, abhängig vom Anspruch des Reisenden. Sicher ist: Äthiopien ist grundsätzlich ein sehr günstiges Land. Aber nur dann, wenn man viel Zeit hat und zudem keinen Wert auf Komfort oder gar Sauberkeit legt. Unser Tagesbudget lag im Schnitt bei ca. 30 € pro Person, wobei wir uns immer noch als Low-Budget-Backpacker bezeichnen würden.

Aber auch unsere Ansprüche sind gestiegen: Die Zimmer, die in unserem Preisrahmen lagen, waren mitunter katastrophal- eklig, dreckig oder ranzig. Aber es gab dann doch immer noch solche, die vollkommen annehmbar, wenn auch nicht großartig waren. Und die waren auch mit 8- 15 €/ Nacht extrem günstig.

Teuer wurde es vor allem bei der Automiete (Toyota Land Cruiser 110 € pro Tag mit Fahrer und Benzin), wobei dies natürlich gemessen ist an den Einkommensverhältnissen Äthiopiens und nicht annähernd mit westeuropäischen Preisen zu vergleichen ist.

Essen gehen ist sehr günstig- die Preise in einfachen, einheimischen Restaurants liegen weit unter 10 € für zwei Personen inkl. Getränke.

Aethiopien

Vielen herzlichen Dank an Stephan und Edith für diesen informativen und liebevollen Beitrag, der uns Äthiopien so viel näher gebracht hat! 

Weitere Reiseberichte und seine Reisefotografie findet ihr auf Stephans und Ediths Homepage. Dafür einfach hier entlang. Vor allem gelingen ihm zumeist unvergleichliche Portraits. Gesichter Äthiopiens findet ihr hier. Aber stöbert ruhig etwas mehr, denn Stephan war sehr lange mit seiner Kamera in Südostasien unterwegs wie beispielsweise in Laos.

Übrigens nehmen die beiden uns im Rahmen unserer Afrikareihe noch mit nach Marokko.

Hier geht's zur Übersicht über unsere Afrikawochen mit Auflistung aller Länder.

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