Unvergessliche Momente auf Sulawesi

Unberührte Inselwelten und uralte Rituale

Unvergessliche Momente auf Sulawesi

Blogparade: Macht wandern glücklich? Na klar!


Mit den Wellnessbummlern waren wir ja schon das ein oder andere Mal unterwegs. Semi-virtuell, zwar, aber das zählt trotzdem! Vielleicht ergibt es sich ja mal, dass wir gemeinsam die Wanderschuhe schnüren, wir sollten das wirklich mal angehen.

Bis dahin begnügen wir uns damit, an der neuesten Wellnessbummler-Blogparade teilzunehmen. Und ‘begnügen’ ist natürlich das völlig falsche Wort, denn wenn’s ums Wandern geht, kommen wir aus dem Schwärmen nimmer raus. Haben wir schon ganz oft erwähnt: hier zum Beispiel, und hier und hier. Und auch hier. Wir sind waschechte Wandervögel. Man reiche uns einen Berg, wir kraxeln drauf und sind selig. Höhenluft, wie bei Vögeln vermutlich nicht anders zu erwarten, macht uns glücklich. Sehr.

Nach unser liebsten Wanderroute gefragt, geraten wir ins Straucheln. Jede Tour hat ihre Vor- und Nachteile, wie soll man da entscheiden? Alpen oder Eifel? Island oder Portugal? Solo-Tour oder Gruppen-Hike? Alles nicht so einfach. Wir haben daher unsere denkwürdigste Wandererinnerung rausgekramt. Die, die wir noch heute ungläubigen Zuhörern erzählen und die, über die wir immer noch am meisten lachen.

Here goes:

Die Tegernseerhütte in den Bergen

Einmal auf die Tegernseerhütte und zurück, bitte.

Ganz klar die absurdeste Wanderung ever: Von München zum Startparkplatz sind es ungefähr eineinhalb Stunden. Und in unserer grenzenlosen Naivität dachten wir, nachmittags um fünf loszuwandern reicht dicke. Schaffen wir vor Sonnenuntergang nach oben. Logisch. Steht ja da: durchschnittliche Aufstiegszeit drei-vier Stunden.

Am Parkplatz angekommen, stellten wir mit Entsetzen fest, dass die Wanderschuhe meiner Freundin zwar blank geputzt und einsatzbereit, nicht aber im Kofferraum waren.

Man muss uns zu Gute halten, dass wir nicht eine Sekunde daran dachten, aufzugeben und nach Hause zu fahren, nein, wir rasten so schnell es die örtlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen erlaubten ins nächstgelegene Dorf, stürmten den Outdoor-Store und hofften auf ein Wunder, bzw. einen gigantischen Sonderrabatt: Wanderschuhe kosten nämlich locker einen nicht unerheblichen dreistelligen Betrag und den zu zahlen, wenn man doch ein einwandfreies Paar zuhause hat, das hätten wir nicht wirklich eingesehen. Aber erfolglos, Kreuth ist eben ein teures Pflaster.

Wir gaben dennoch nicht auf und versuchten unser Glück in Rottach-Egern, ein paar Kilometer weiter. Es war inzwischen kurz vor sechs und so langsam wurde auch uns klar, dass, wenn wir noch bei Tageslicht oben ankommen wollten, so langsam mal loslaufen sollte. Allerdings natürlich nur mit geeignetem Schuhwerk, weswegen wir all unsere Hoffnung in einen geraden schließenden Sportartikelladen setzten.

Wanderschuhe sind des Wanderers Glück!

Doch ach!, bei den Wanderschuhen kein Glück - alles, was bezahlbar gewesen wäre, gab es nicht in der richtigen Größe. Während einer der Verkäufer bereits die großen Schaufensterlichter ausknipste, versprach der andere, nochmal im Lager nachzusehen. Wir wirkten offenbar verzweifelt genug, um diesen Extraaufwand zu rechtfertigen. Und was soll ich sagen, der Wandergott hatte ein Einsehen: das Paar Schuhe, das er uns präsentierte war definitiv Tegernseerhütte-geeignet. Nur etwas abgetragen und mit ein wenig Schlamm an der Sohle. “Die sind von unserer Praktikantin, sie würde sie dir bis morgen leihen, wär das ok?” So was von ok!

Wir konnten unser Glück kaum fassen und verabschiedeten uns herzlicher, als Schuhverkäufer das vermutlich gewohnt sind.

Die Leih-Schuhe

Nun kann die Wanderung mit Wanderschuhen beginnen

Viertel nach sechs hatten wir den Wanderparkplatz erreicht, schmissen uns in unsere Wanderkluft und zogen los. Das Wetter war wunderbar, die Sonne schien, was sollte schiefgehen? Nach unseren Berechnungen würden wir die Hütte gegen halb zehn erreichen, wir hatten Pritschen reserviert und freuten uns jetzt schon auf das Gipfelbier. 

Aussicht über die Alpen

Die Landschaft präsentierte sich von ihrer grandiosesten Seite, das melodische Kling-Klang der Kuhglocken begleitete unseren Marsch, die Vögel zwitscherten fröhlich vor sich hin, der Weg führte uns tiefer und tiefer in die Berge, und erst nach rund zwei Stunden, als wir das Gefühl bekamen, dass die Strecke nicht wirklich dem entsprach, was wir in den vielen Wanderrezensionen gelesen hatten, wurden wir ein klein wenig unruhig.

Wir hatten steile Serpentinen erwartet und marschierten eigentlich immer nur geradeaus. Zu lange schon, um einfach umzukehren, daher waren wir froh, dankbar und zugegebenermaßen auch ein wenig entsetzt, als uns ein Pärchen in aufeinander abgestimmter Funktionskleidung entgegen kam und uns auf unsere Nachfrage eröffnete, dass wir vom falschen Parkplatz aus gestartet waren und es nie und nimmer vor Einbruch der Dunkelheit zur Tegernseerhütte schaffen würden. Mit ein bisschen Glück würden wir jedoch die Buchsteinhütte erreichen, nur müssten wir uns echt sputen. 

Außenanischt der Buchsteinhütte

Wandern in (Zeit-)Not zur Buchsteinhütte und Rettung gefunden

Nichts spornt einen so an, wie die Vorstellung nachts durch einen völlig unbekannten Wald stolpern zu müssen, also legten wir einen Zahn zu und exakt in dem Moment, in dem das diesige Dämmerlicht pechschwarzer Nacht wich, begrüßte uns die Wirtin der Buchsteinhütte  mit den Worten “Ja mei, was machts ihr dann do, seids narrisch?” Sie bugsierte unsere abgehetzten Leiber in ihre gute Stube, servierte uns dick belegte Brote und Bier und hielt uns einen sehr mütterlichen Vortrag darüber, wie dämlich es sei, zu spät loszuwandern.

Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben. 

Blick auf die Tegernseerhütte von der Buchsteinhütte aus

Am nächsten Morgen brachen wir bereits um halb sieben auf, die letzte Etappe zur Tegernseerhütte zu nehmen, traten vor die Tür und begriffen dann erst, wie absurd unser Vorhaben gewesen war, die Hütte am Vorabend noch erreichen zu wollen. Von der Buchsteinhütte führte der Weg durch ein langgestrecktes Tal und dann im Zickzack eine Felswand hinauf, an deren oberer Kante wir in der Ferne eine winzige Hütte ausmachen konnte. Niemals hätten wir das im Dunkeln geschafft. Am frühen Morgen jedoch, frisch gestärkt und ausgeruht, konnte uns nichts mehr halten. Die Wanderung war anspruchsvoll, aber gab uns dennoch genug Gelegenheit, inne zu halten und die wahnwitzige Schönheit der Alpen zu bewundern. Vor allem morgens, wenn die Nebel noch durch die Bergtäler wabern ist es schon sehr magisch, über Almweiden zu stapfen.

Wir erreichten die Hütte als allererste Tagesgäste, kurz vor halb neun, legten eine wohlverdiente Spezi-Pause ein und sahen zu, wie sich auf der anderen Seite des Berges eine bunte Kette wandernder Städter langsam aber sicher zum Gipfel hinauf arbeitete.

Auf dem Rückweg wollten wir die Route nehmen, die wir eigentlich von Anfang an angedacht hatten und über die nun die Mehrheit der Tagesausflügler nach oben kraxelte. Ein Klettersteig führte hinunter zur Alm, von der aus es in steilen Serpentinen zurück ins Tal ging. Kein Problem, dachten wir, bergauf ist ja immer schwieriger. Bergab würde es ein Leichtes sein, ans Ziel zu kommen. Das wäre sicher auch so gewesen, wenn sich nicht meine Schuhsohlen nach den ersten paar Metern auf dem Klettersteig selbstständig gemacht hätten. In Ermangelung einer Rolle Duct Tape, wickelte ich meine Schnürsenkel ein paar mal um die Sohlen und sandte ein paar Stoßgebete gen Himmel, in der Hoffnung, dass ich den Berg nicht barfuß runter klettern müsste. Wir wussten wirklich nicht, was absurder war: seine Schuhe vergessen, oder seinen Schuhen bei der Selbstaufgabe zugucken zu müssen. Wir nahmen jede Abkürzung, die sich darbot und hatten Glück: die Schuhe hielten und ein netter Wanderkollege bot sich an, uns zu unserem Auto zurück zu bringen.

Seit dem gehen wir Wanderungen deutlich professioneller an, mit Packlisten und Qualitätsausrüstung, mit Landkarten und GPS. Aber hätten wir all das damals auch schon berücksichtigt, wäre die Geschichte einfach nur halb so gut, oder?

Macht also Wandern glücklich? Ja, unbedingt! Komplett analoge Erlebnisse hat man je dieser Tage nicht allzu oft, mit Freunden, und ganz ohne Technik, mitten in der Natur. Ehrlich gesagt, wir wissen wenig, dass uns glücklicher macht. Nicht umsonst ist das Gipfelbier das beste Bier der Welt. Nicht umsonst ist ein belegtes Brot nach bestiegenem Berg besser als jedes Viergängemenü. Nicht umsonst, öffnet sich das Herz selten weiter, als dann, wenn man über die Berggipfel in die Ferne starrt, auf die Welt runter guckt und sich einmal mehr der Großartigkeit des Lebens bewusst wird.

Ach ja, pathetisch machen sie einen auch, die Bergwanderungen. Aber das nehmen wir gerne in Kauf :-)

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