Unvergessliche Momente auf Sulawesi

Unberührte Inselwelten und uralte Rituale

Unvergessliche Momente auf Sulawesi

Unsere Frachtschiffreise nach Australien - Teil II


Stephan und Edith auf dem Frachtschiff

Meditative Stimmung auf der MS Chopin

Dunkelheit und eine ungewohnte Stille umgeben uns. Nur der langsam anschwellende Mond wirft helles Licht und lässt schemenhafte Gestalten und Geräte erkennen. Dumpf, als hätte sich ein Schutzfilm über unser Trommelfeld gelegt, erahnen wir nur die gewaltigen Wellenbrecher am Bug des Schiffes. Es ist noch früh. Keine halb sieben. Eine geradezu meditative Stimmung liegt über der Brücke der MS Chopin auf ihrem Weg von Port Klang, Malaysia nach Fremantle, Australien.

Das Hirn/Kontrollzentrum des Frachtschiffs

Beim Betreten dieses Ortes scheint die Pulsfrequenz sich gleich um die Hälfte der Schläge zu reduzieren. Gefühlt wie in einem gläsernen Kokon befinden wir uns. Eingefasst von drei großen Fensterfronten ist dies das Hirn des Frachtschiffes. Hier schalten und walten Kapitän und Crew in einer Atmosphäre, die ungemein friedvoll und beruhigend auf uns wirkt.

Ein kleiner Rückblick

Edith auf dem Frachtschiff MS Chopin

Kurz zur Erinnerung: Wir befinden uns auf der MS Chopin, dem Frachtschiff einer französischen Reederei, das unter der Flagge Maltas auf dem Weg von Port Klang in Malaysia nach Australien ist. Umkehrhafen wird Sydney sein, doch unsere Reise SmartDownUnder - auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien soll bereits im ersten australischen Hafen in Fremantle, nahe Perth an der Westküste enden. Hier möchten wir mit Betreten des australischen Bodens unsere selbstgewählte Herausforderung abrunden: Ohne Flugzeug von Köln bis auf die andere Seite der Erdkugel zu reisen. Doch zuvor hält diese von uns bis vor Kurzem gänzlich nicht in Erwägung gezogene Frachtschiffreise völlig unerwartete, spannende Überraschungen für uns bereit.

Freier Zugang zur Brücke

So ist es uns z.B. erlaubt, die Brücke und die nebenliegenden Decks zu jeder Tages- und Nachtstunde zu besuchen. Wir entwickeln Rituale. Früh am Morgen zieht es uns hier herauf, wenn zu unserer linken die Sonne langsam über dem Horizont erscheint. Sehen den hellen Ball im Halbkreis über das Firmament ziehen und beobachten Abend für Abend den Untergang des Sterns.

Stephan genießt die Aussicht

Das Fernglas immer zur Hand beobachten wir über Stunden den Wellengang, die wenigen Vögel, die es an Bord geschafft haben, fliegende Fische und beginnen eine, leider stets erfolglose, Suche nach Delphinen und Walen. Die einzigartige Stimmung, die auf der Brücke herrscht ist in Worten kaum zu beschreiben. Hierzu tragen nicht zuletzt die Menschen bei, die wir hier an ihrem Arbeitsplatz besuchen. Die Schiffscrew ergänzt die wundervolle Zeit an diesem Ort mit vielen spannenden Erklärungen. Tagein tagaus löchern wir die Männer mit unseren neugierigen Fragen Doch ihrer Gelassenheit tut dies keinen Abbruch. Unser Staunen über diese unendliche Weite des Indischen Ozeans und eine unbeschreibliche Freiheit sind die stetigen Begleiter in dieser Zeit, die wir voller Erfüllung und Zufriedenheit genießen.

Von der Rushhour in die Einsamkeit des Ozeans

Während in den ersten Tagen auf See ein hohes Verkehrsaufkommen herrscht, begegnen uns mit Verlassen der Straße von Malakka und des indonesischen Archipels nur noch selten andere Frachtschiffe oder Fischkutter.

Stephan und Edith auf der MS Chopin

Es wird einsamer um uns herum. Zwar gelangen wir noch in den seltenen Genuss, die Christmas Islands und somit ein (wenn auch weit entferntes) Stück von Australien am klaren Horizont zu sichten, doch die Landstriche um uns herum werden rar. Schließlich bleibt nur das Wasser. Über 48 Stunden lang bekommen wir kein Land zu Gesicht.

Auf Entdeckungsreise auf dem Frachtschiff

Zeit, auf Entdeckungsreise auf dem Schiff zu gehen. Wir dürfen uns frei bewegen auf der Chopin. Ausgenommen sind lediglich der Maschinenraum und bestimmte Sicherheitsbereiche, die wir aber in Begleitung einer der Offiziere begehen können.

Ausgestattet mit Schutzhelmen und Overalls beginnen wir eine abenteuerliche Wanderung über das riesige Frachtschiff. Schmale Leitern und Stege führen uns durch das Labyrinth der massigen Container. Doch glaubten wir, die Ladung und die Kapazitäten des Schiffsbauchs bereits zu großen Teilen gesehen zu haben, werden wir vom 2. Offizier eines Besseren belehrt. Ganze acht Etagen liegen unter uns, die je nach Fracht, voll beladen werden können. Aktuell, so berichtet er uns, sei gerade mal die Hälfte des optionalen Frachtareals mit Containern belegt.

Mehr als nur das Schiff steuern

Am Bug des Schiffes wird uns erstmals bewusst, welch vielfältige Arbeiten und Aufgaben auf einem Frachtschiff anfallen. Wir wussten z.B. bereits, dass es einen Ingenieur gibt, dessen Hauptaufgabe darin liegt regelmäßig die Temperaturen in bestimmten, oft mit Lebensmitteln beladenen, Containern zu messen. Einem Offizier fällt die Verantwortung für den Maschinenraum zu, wieder ein anderer ist für die Logistik der Ladung zuständig. Doch ein Schiff bedarf auch der stetigen Instandhaltung. Bist Du an einem Ende fertig, beginnst Du am anderen Ende von Neuem. In der prallen Sonne erblicken wir zwischen den riesigen Ankerwinden nun einige Mitglieder der Crew, die renovieren und lackieren, um dem Schiff einen frischen Farbanstrich zu geben.

Klaustrophobische Gefühle bei der Rettungsübung

Wer möchte schon gerne in eine Notsituation kommen? Aber in eine solche bitte erst recht nicht. Klaustrophobie heißt das unangenehme Stichwort, dass mir zu unserer Rettungsübung auf der MS Chopin sofort in den Sinn kommt. Gleichzeitig aber ist das Szenario ein wirklich spannendes Erlebnis. Die gesamte Schiffscrew sammelt sich bei den Rettungsbooten um den Ernstfall zu proben. Und jene Rettungsboote sind es auch, die das beklemmende Gefühl der Platzangst vermitteln.  

Stephan und Edith während der Rettungsübung

Mit roten Rettungswesten und einem großen Emergency-Kit ausgestattet, begeben wir uns in eines der seitlich vom Deck hängenden, an ein U-Boot erinnerndes Gefährt. Im Innenraum ist es stickig, beengt und unglaublich heiß. Eine gruselige Vorstellung, hier möglicherweise über Tage mit vielen Menschen ausharren zu müssen. Und dennoch beruhigend zu wissen, wenn wir uns die Unendlichkeit des Ozeans wieder vor Augen führen.

Ein Besuch im Maschinenraum

Der Maschinenraum des Frachtschiffs MS Chopin

Haben wir im Rettungsboot noch geglaubt, es sei nur im Notfall heiß, wissen wir spätestens nach unserem Besuch im Maschinenraum, dass so manch ein Crew-Mitglied seinen Arbeitstag in der Sauna verbringt. Vier Etagen zählt der Ort, an dem die Crew-Mitglieder nur mit Overall, Helm und natürlich großen Ohrenschützern bewegen dürfen. Im Herzen des Maschinenraums befinden sich zehn riesige Zylinder, die für den Antrieb des Motors zuständig sind. Ein gewaltiges und beeindruckendes Schauspiel, welches uns hier unter Tosen und Lärmen geboten wird. Doch arbeiten mag ich hier nicht.

Jeden Tag was Neues

Stephan genießt den Pool auf dem Frachtschiff

Jeden Tag was Neues. Sieben Tage befinden wir uns an Board der MS Chopin. Und während wir im Vorfeld unserer Reise noch denken, dass diese Zeit ganz schön lang und vielleicht auch langweilig werden könnte, sind wir erstaunt, wie schnell sie schließlich verfliegt. Kein Tag vergeht, an dem wir nicht etwas Besonderes erleben und Spannendes entdecken.

Abendessen auf dem Frachtschiff

Jeden Tag gehen wir unseren Ritualen nach, besuchen die Brücke, saugen die Atmosphäre ein und schalten runter. Jeden Tag lernen wir dazu. Gelangen in den Luxus ganz privater Lehrstunden und den Genuss lustiger und aufregender Anekdoten aus dem Leben eines Seemanns. Jeder Tag hält neue Überraschungen auf unserer Reise mit dem Frachtschiff bis Australien bereit. Mit einem weinenden Auge müssen wir schließlich Abschied nehmen von diesen wundervollen Menschen und dieser besonderen Stimmung an Board.

Es ist vollbracht! - 575 Tage nach dem Start

Doch das lachende Auge setzt sich letztlich durch. Emotional völlig überwältigt steuern wir auf den Hafen von Fremantle zu. Ein Mitarbeiter des australischen Hafens kommt an Board, um die Chopin gemeinsam mit Kapitän und Crew in die Enge des Hafenbeckens zu navigieren. Unsere Herzen rasen. Es wird ernst. Und dann endlich wird es wahr. Wir betreten nach 575 Tagen auf unserer Reise SmartDownUnder - Auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien tatsächlich australischen Boden. Es ist vollbracht!

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