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Japan - Vom Leben zwischen den Kulturen: Akiko steht uns Rede und Antwort


Das war er nun, der Japan-Tag 2014. Und was für ein unglaubliches Glück, dass das Wetter so wunderbar mitgespielt hat! 
Japan-Fans, Cosplayer, Manga-Begeisterte oder einfach nur Freunde der japanischen Küche - hier kam aber auch wirklich jeder auf seine Kosten. Insgesamt 750 000 Besucher feierten am Düsseldorfer Rheinufer zum Teil bis weit nach Mitternacht - wenn sich auch das Gros der Besucher nach dem Abschlussfeuerwerk wieder auf den Heimweg machte. 

Wir wollten aber mal genauer wissen, wie das so ist als Japaner in Deutschland und haben unsere redaktionseigene Japan-Connection Akiko befragt:

Woher kommst du?

Ich bin halb Deutsch, halb Japanisch. In Deutschland geboren, in Japan aufgewachsen, zum Studieren nach Deutschland gezogen. Ich komme aus Tokyo - lebe aber seit 10 Jahren in Deutschland.

Wo lebst du hier?

In Köln.

Ist das Leben in Deutschland anders als in Japan?

Generell von einem Land zu sprechen, ist natürlich schwer. Ich bin in Tokyo, einer Metropole, aufgewachsen. Dort ist immer was los, es wird einem so viel geboten. So gesehen ist es also sehr anders. Und Japan ist ein sehr serviceorientiertes Land, was man leider von Deutschland nicht behaupten kann. Andererseits hat man in Deutschland viel Freizeit, viele Parks und man kann viel mehr mit seinem Geld anfangen.

Gibt's kulturelle Eigenheiten, an die du dich erst gewöhnen musstest?

Ja. In Deutschland sind die Leute generell nicht gerade herzlich. Wenn man sie nicht kennt, wirken sie eher unfreundlich und kühl. Sich daran zu gewöhnen, ist für viele Ausländer nicht besonders leicht. Ich habe es mir zwar mittlerweile auch angewöhnt, aber es ist irgendwie seltsam, dass viele Deutsche es vollkommen normal finden, jemanden z.B. in der Bahn anzustarren. 

Was empfindest du als besonders angenehm? 

Deutsche sind dafür bekannt, sehr direkt zu sein. Einerseits ist es ganz angenehm - man weiß immer, woran man ist und kommt schnell zur Sache. Andererseits ist es manchmal angenehmer, wenn man manche Sachen freundlich verpackt gesagt bekommt. Im Japanischen gibt es dafür den Begriff 'Tatemae' - Wie man sich anderen Leuten gegenüber freundlich verhält.

Was vermisst du hier?

Das kulturelle Angebot, das extrem leckere und vielfältige Essen - auch für wenig Geld. Rund um die Uhr geöffnete Convenience Stores und das wirklich tolle Shopping Angebot. Von den Menschen her: die wirklich äußert freundliche (oft schon fast zu freundliche) Gastfreundschaft.

Ziehen sich die Unterschiede durch alle Lebensbereiche (Familienleben, Erziehung, Beziehung, Beruf)? Hast du da vielleicht Beispiele für uns?

Beruflich ist man in Deutschland sehr verwöhnt. 30 Tage Urlaub, Gleitzeiten und in vielen Unternehmen gibt es eine maximale Tagesarbeitszeit von 10 Stunden. Da hat man einfach mehr Freizeit und damit auch mehr Lebensqualität. Das zieht sich dann natürlich auch ins Familienleben. Ich denke, dass man auf Grund der beruflichen Vorteile hier mehr kostbare Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Und was die Erziehung betrifft, glaube ich, dass Kinder hier in Deutschland viel mehr Freiheiten haben.

Japan war ja in jüngerer Vergangenheit vor allem nach der Tsunami-Katastrophe in den Medien. Wie hast du die Berichterstattung in Deutschland wahrgenommen? Deckte sich das mit dem, was in Japan selbst berichtet wurde?

In Japan wird und wurde leider zu viel vertuscht. In Deutschland wurde andererseits vieles auch übertrieben. Ich weiß noch, wie ich damals im Urlaub war und durch einen bekannten deutschen Medienkanal erfahren habe, dass Atomkraftwerke explodiert sind und Tokyo zerstört wurde - oder so in der Art. Durch so eine Headline kann man Leute wirklich schockieren - vor allem, wenn man Angehörige in der Gegend hat. Etwas sachlicher zu berichten, wäre manchmal rücksichtsvoller. 

Wie erlebst du Japan nach dem Tsunami? Gibt es da große Veränderungen?

Ich lebe nicht mehr in Japan, doch wenn ich Japan besuche, merke ich schon, dass sich einiges verändert hat. Zwar ist es jedem Japaner bewusst, dass es immer unerwartet Naturkatastrophen geben kann, doch man hat es lange nicht mehr in dem Maße gehabt. Ich empfand bei meinem letzten Besuch, dass viele meiner Bekannten anders mit den Themen 'Leben', 'Tod' und 'Dankbarkeit' umgegangen sind. Außerdem gibt es viele Japaner, die protestieren. Leider interessiert das Thema 'Tepco' auch viele Japaner gar nicht. So lange man selbst nicht aktiv davon betroffen ist, halten Japaner oft einfach ihren Mund und ignorieren Tatsachen.

Wirst du darauf in Deutschland oft angesprochen? Falls ja, wie findest du das?

In Deutschland wird viel über dieses Thema gesprochen. Allerdings muss man auch sagen, dass unsere Gesellschaft leider sehr sensationsgeil ist und Themen, die länger als ein paar Monate in den Medien auftauchen irgendwann nicht mehr aufregend genug sind und an Bedeutung verlieren. Deutschland zeigt gerne mit dem Finger auf andere Länder. So ist das auch mit der Atomenergie. Man muss sich oft anhören, wie schlecht die Lage in Fukushima ist. Das stimmt. Leider gibt es auch bisher keine Lösung, die Katastrophe zu stoppen. Ich finde es auch gut, dass man sich in Deutschland sehr viel mit diesem Thema auseinandersetzt und sich um erneuerbare Energien sorgt. Doch sollte man auch nicht vergessen, dass Deutschland von Atomkraftwerken umzingelt ist. Aber wie gesagt: ich finde es eigentlich gut, dass man darüber spricht. Die vorwurfsvolle Haltung, dass hier alles besser laufe, ist nur manchmal etwas nervig.

Ist die japanische Gemeinde Düsseldorf in Japan bekannt?

Ich glaube, nicht wirklich. Nur bei Leuten, die etwas mit Deutschland zu tun haben.

Warst du schon mal in Düsseldorf beim Japan-Tag?

Ja.

Ist das was, was dich interessiert, weil es um deine Heimat geht oder findest du, das ist eher was für Deutsche, um ihnen Japan näher zu bringen?

Ich denke, es ist für beide ganz nett. Ideal für einen interkulturellen Austausch.

Hast du eine Reiseempfehlung für uns? Was sollte man in Japan unbedingt gesehen haben? Was ist deiner Meinung nach der schönste Ort in Japan?

Was an Japan schön ist, ist die Vielfältigkeit. Die meisten denken bei Japan direkt an Großstädte, Chaos und Mangas. Japan besteht allerdings zu 70% aus Bergen und Natur, bietet reichlich japanische Kultur und dadurch, dass das Land eher langgestreckt ist, auch ganz unterschiedliche Vegetationen.
Im Norden ist es ein bisschen wie in den Alpen. Tolle Skigebiete, viel Natur und die besten Meeresfrüchte überhaupt. Auf der Hauptinsel gibt es auch sehr viele verschiedene Angebote. Kyoto, die alte Hauptstadt ist Japans Kulturstadt und bietet sehr viele einzigartige Schreine und Tempel. Mein Lieblingstempel z.B. ist der Goldene Tempel, Kinkakuji.
Ganz im Süden gibt es viele kleine Inseln, auf manchen wird sogar ein ganz andere Sprache gesprochen und die Küche unterscheidet sich auch sehr von der bekannten japanischen Küche. 
Mein Lieblingsort ist allerdings Tokyo, was vermutlich aber auch damit zusammenhängt, dass ich dort aufgewachsen bin. Es ist eine wirklich aufregende Stadt.
Reiseempfehlung: Man sollte sich ein paar Wochen Zeit nehmen, um das Land von seinen vielen Seiten kennen lernen zu können.

Kann man da so ohne Weiteres einfach mit dem Rucksack durch die Gegend reisen?

Zwar verstehen nur sehr wenige Leute Englisch, doch ist es eines der sichersten Länder, die ich kenne. Aus diesem Grund würde ich sagen: klar, kann man das! Allerdings ist es auch recht teuer.

Ist das auch was für Familien mit Kindern?

Klar! Sicher, sauber und die Leute sind sehr gastfreundlich.

Und jetzt noch ein paar Klischees: Magst du Sushi?

Natürlich!

Liest du Mangas?

Nein.

Hast du einen Kimono?

Ja.

Warum sind die Japaner so gut darin, Horrorfilme zu drehen?

Kann ich leider nicht beantworten.

Ist Japanisch wirklich so schwer zu lernen?

Es ist eine Fleiß-Sache. Sprechen ist einfacher als Schreiben oder Lesen.

Tokyo oder Berlin?

Beides hat seine Vor- und Nachteile :-)

Tausend Dank, Akiko, für dieses wirklich interessante Interview. Vieles von dem, was du erzählt hast, wussten wir gar nicht und die Reiselust auf Japan ist auf alle Fälle geweckt!

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