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Langsam Reisen und den Urlaub genießen - Unsere Gedanken zum Reisen


Kommt euch das auch so vor, dass sich die Welt immer schneller dreht? Kaum hat man sich versehen, ist wieder eine Woche rum, ein Monat, ein Jahr.War nicht eben noch Weihnachten, wieso liegen denn da schon wieder Lebkuchen in der Auslage?! Sommerferien? Waren wir nicht gerade eben noch in Italien? Oder warte, war das nicht Spanien? Oder doch Kroatien?

Ach ja, das Gedächtnis, da kann man die einzelnen Stationen eines Roadtrips schon mal durcheinander bringen. War ja auch alles gleich schön. Oder nicht? Naja, alles bis auf die Reifenpanne mitten in der Nacht kurz vor Pisa. Das war gar nicht letztes Jahr, das war vor drei Jahren, damals mit Anton, in der Toskana. Weißt du nicht mehr? Du hast dir den Wagenheber auf den Fuß fallen lassen und bist den Rest des Urlaubs mit einem blauen Zeh rumgelaufen. Musst du doch noch wissen. Hast dich tagelang aufgeregt, dass die Pediküre da nicht drüber lackieren wollte.

Ach ja, richtig. Der Urlaub war das! 

Nahaufnahme von roter Blume

Geht euch das auch so, dass man manchmal viel mehr erlebt, als in einen Tag passt? Gerade auf Reisen, wenn die neuen Eindrücke nur so auf einen einprasseln? Wer da nicht akkurat Tagebuch schreibt, weiß nach ein paar Wochen ganz sicher nicht mehr, dass es im Da Paolo in der schattigen kleinen Seitenstraße vom Marktplatz das beste Schokoladeneis weltweit gab.

Oder dass auf dem Balkon gegenüber dem Hotelzimmer diese absurde, blaue Porzellanschwanfamilie saß und die Geranien bewachte. Details, die man schnell wieder vergisst, wenn man in den Flieger nach Hause steigt. Kleinigkeiten, die den Urlaub so besonders machten, aber nicht mitgenommen werden in den Alltag. Rüber in die reale Welt, in der wir arbeiten müssen, und putzen. In der wir unsere Kontoauszüge abheften und Steuererklärungen abgeben.

künstliche Blume

Wäre es nicht viel besser, wir nähmen all diese wunderbaren klitzekleinen Urlaubsschnipsel mit und ließen sie auch unseren Alltag ein wenig auffrischen?

Wäre es nicht viel besser, wir nähmen uns mehr Zeit, um uns auch wirklich an alles zu erinnern, was so toll war, was wir so herrlich fanden, dass es uns in diesen perfekten Zustand der Ferientrance versetzte: dieses Hineinleben in die Tage, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie viel Uhr es ist, ob Montag oder Mittwoch oder früh oder spät. Dieses Sein, das sich wirklich nur auf das Wesentliche beschränkt: atmen, essen, trinken, schlafen, Sonne tanken.

Ein bisschen gucken und schlendern, trödeln und bummeln. Nur nichts müssen müssen. 

Detailaufnahme einer Holzwand

Wäre es nicht schön, diese viel leichtere Gangart einfach einzupacken und mitzunehmen, nach Hause. Dahin, wo die Leitz-Ordner wohnen, dahin, wohin Behörden Briefe schicken und wo sonntags das Telefon klingelt und Tante Ursula wissen will, warum man sich so lange nicht gemeldet hat. Wäre das nicht schön?

Vielleicht sollte man einfach langsamer reisen und den Eindrücken Gelegenheit geben, sich tatsächlich niederzulassen, sich fest zu setzen, in der Erinnerung. Spuren zu hinterlassen, deutliche Abdrücke, nicht nur blasse Kondensstreifen, die nach ein paar Momenten wieder verpuffen.

Statt auf Roadtrips ein Ziel nach dem anderen abzuklappern und dabei am Ende schon wieder fast zu vergessen, wo man am Anfang noch ins Schwärmen geriet, sollte man einfach mal irgendwo bleiben, ein paar Tage, besser noch Wochen, oder länger, und den Ort auf sich wirken lassen. Vergessen, woher man kam, was auf einen wartet, einfach mal hier sein und erleben, wie sich das so anfühlt, woanders einzukaufen. Woanders ins Kino zu gehen, sich zurecht zu finden, Menschen kennen zu lernen, Briefe zu bekommen. 

Eine Woche Urlaub ist zu wenig, da erholt sich keiner, zwei sind grausam: kaum hat man mit dem Entspannen angefangen, geht es schon wieder nach Hause. Drei kratzen gerade so am Auszeitmindestmaß, bei vieren fängt man langsam an, zu begreifen, wie der Ort so tickt, an dem man sich vorübergehend niedergelassen hat und alles, was darüber hinaus geht, lässt einen nur tiefer eintauchen in dieses Leben, das nur geborgt ist. Das man wieder abstreift wie einen geborgten Mantel.

Aber die Erinnerung an das Andere bleibt, an die andere Stadt, die anderen Hausecken, das andere Klingelschild, das andere ich, das Urlaubs-Ich.

Viel intensiver ist diese Erinnerung als die an fünf Tage all inclusive in Lloret de Mar. Und viel intensiver das Gefühl, nicht nur eine Erinnerung sondern eine ganz neue Fascette seiner selbst mitgenommen zu haben.

Eine, die uns auch im Alltag nicht loslässt, die jetzt zu uns gehört und uns beim Kühlschrankputzen über die Schulter guckt und uns lächeln lässt, weil, weißt du noch, damals…Ja, ich weiß, schön war’s.

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