Neuseeland

Kommt mit von Nord nach Süd

Neuseeland
Namibia

Ab in die Dünenwüste

Namibia
Äthiopien

Verbringt mit uns Silvester in Konso

Äthiopien

Pilgern via Lusitana - Einmal längs durch Portugal wandern


Ausschnitt aus Reiseführer in den reingeschrieben wurde
Höhenmeter Angaben in Reiseführer

Unser hauseigener Wandervogel Christian war wieder unterwegs. Wieder pilgern, wieder gen Santiago de Compostela. Aber diesmal auf einer ganz besonderen, wenig frequentierten Route: von Faro nach Santiago, 1200km von Süd nach Nord, immer entlang der Via Lusitana, einmal längs durch Portugal - und dann noch ein bisschen Spanien zum Ausklang.

Wie das mit dem Pilgern so im Allgemeinen ist, dazu hatten wir ihn ja bereits ausführlich befragt (das könnt ihr hier nachlesen). Dieses Mal wollten wir mehr ins Detail gehen: Was waren die kleinen Besonderheiten, die hervorstechenden Erinnerungen, die speziellen Momente, die das ganze zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben?

Olivenbaum in Portugal

Über Wege und Muscheln - Pilgern in Portugal

Die Via Lusitana ist zwar ein offizieller Pilgerweg, aber auf dem portugiesischen Streckenabschnitt gibt es so gut wie keine Wegmarkierungen. Sowie man nach Spanien kommt, sieht man die Pilgermuschel wieder überall. In Portugal ist dafür die Mobilfunkabdeckung so gut, dass man ohne weiteres mitten in der Pampa auf Google Maps checken kann, wo man lang muss - die Wege sind da nämlich manchmal wirklich nicht als solche erkennbar und führen einfach querfeldein durchs Land. 

Weite grüne Landschaft in Portugal

Bei der Müllabfuhr von Beja

Meine Lieblingserinnerung ist die an die Truppe von der lokalen Müllabfuhr in Beja. Da kam ich nach einem besonders intensiven Tagespensum völlig fertig an und in der Gaststätte, in die ich einkehren wollte, gab's nur noch einen freien Platz am Stammtisch der Jungs von der Müllabfuhr. Obwohl ich eher nach Landstreicher denn Pilgerer ausgesehen haben muss (Schweiß, Staub und die ein oder andere Rangelei mit aggressiven Straßenhunden hinterlassen Spuren...), lud man mich sofort ein, mich dazuzusetzen und es wurde noch ein sehr lustiger und geselliger Abend.

Ein paar Wochen später bin ich mit meiner Freundin noch einmal nach Beja gefahren, weil ich es so schön fand, dass man ganz alleine in einem wildfremden Land auf einen Schlag so viele nette Menschen kennen lernen kann, die einem dann direkt ans Herz wachsen, das wollte ich mit ihr teilen.

Vertrocknete Blumenwiese

Durst oder Durchfall? Die Tücken beim Pilgern durch Portugal!

Die Strecke zwischen Beja und Evora ist Hardcore. Im Mai kratzen die Temperaturen eigentlich dauernd an der 40°-Marke und die Sonne brennt einem fast die Kopfhaut vom Schädel. Stundenlang führte der Weg auf und ab, kaum hatte ich einen Hügel hinter mir, stand schon wieder der nächste an - und bergab wandern kann fast genauso anstrengend sein wie bergauf, wenn der Weg nur mäßig befestigt ist und es eigentlich mehr über Stock und Stein geht. Portugal ist mitunter ein trockenes Land, da ist es enorm wichtig, immer ausreichend Wasser dabei zu haben. Allerdings gibt es auch Situationen, da hätte man gar nicht soviel Wasser mitnehmen können, wie man trinken wollte.

Ich möchte mich daher auch hochoffiziell bei der armen Kuh entschuldigen, die ich relativ unsanft von ihrer Tränke verscheuchen musste, weil ich sonst vor Durst vermutlich umgekommen wäre. Sollte ich noch einmal in der Gegend sein, werde ich ihr ein paar Leckerli mitbringen.

Übrigens ist das Trinken aus Viehtränken weniger zu empfehlen. Tut das nicht. Oder nur, wenn es wirklich überlebensnotwendig ist. Ich weiß wirklich nicht, was schlimmer war: Durst oder Durchfall.

Blühender Kaktus in Portugal

Cave canem!

Was ich gewusst hätte, hätte ich den Pilgerführer vor Antritt der Wanderung ausführlicher gelesen: Portugal wimmelt von freilaufenden Hunden, Hütehunden und Wachhunden. Auf dem Land (und in Portugal ist fast alles 'auf dem Land') fungieren sie als Wachsystem und dementsprechend benehmen sie sich auch: aggressiv, angriffslustig und bissig. Wer alleine unterwegs ist, braucht mindestens einen robusten Stock, um sich zu verteidigen; der Pilgerführer rät sogar zu einem speziell für (oder eher gegen) Hunde entwickelten Elektroschocker.

Unter freiem Himmel zu schlafen ist, obwohl klimatisch überhaupt kein Problem, undenkbar. Die fressen einen auf. Und das ist kein Scherz.

Meine schlimmste Begegnung mit wilden Hunden hatte ich in der Nähe von Covilha im Parque Natural de Serra da Estrela. Da hab ich mehr als nur eine Bisswunde kassiert. 

Eine der vielen Kirchenpforten auf dem Pilgerweg via Lusitana

Allein zu zweit

Die Nordstrecke des Pilgerwegs ist dermaßen bekannt und beliebt, da ist man wenig alleine. Die Herbergen sind voll und wenn man möchte, findet man immer jemanden, mit dem man sich unterwegs unterhalten kann. Sollte man sich da ein Bein brechen, muss man sicher nicht lange darauf warten, dass einer vorbeikommt und hilft. 

Auf der Via Lusitana ist das eine ganz andere Nummer. Da bin ich in 5 Wochen nur einem einzigen Pilger begegnet. Und das zu einem Zeitpunkt, da waren wir beide schon so an die Einsamkeit gewohnt, dass wir einfach grußlos aneinander vorbei gelaufen sind. Alles andere hätte die meditative Ruhe gestört, in der wir schweigend durchs Land gezogen sind.

Lila Blumenmeer in Portugal

Wer wandert, muss auch Weißwein trinken

Mag der Weg auch noch so beschwerlich sein, das Essen ist grandios. Selbst in einfachen Kneipen wird man sehr gut verpflegt, da muss man sich keine Sorgen machen. Und man sollte unbedingt auch Gerichte probieren, die einem auf den ersten Blick vielleicht nicht zusagen würden. In Ourense hab ich mich an Schweinerüssel versucht und was soll ich sagen? Sah ganz furchtbar aus, war aber richtig, richtig lecker. 

Wem's dann doch nicht schmeckt, der kann es mit Weißwein runterspülen. Der portugiesische Weißwein ist himmlisch gut!

 

 

Wanderschuhe auf Steinweg vor grüner Wiese

Santiago die Dritte

Beim ersten und zweiten Mal fand ich Santiago de Compostela großartig. Das Gefühl, nach Wochen der Wanderschaft endlich da anzukommen, worauf man hingearbeitet hatte, das war einfach unbeschreiblich. Jetzt, beim dritten Mal, habe ich das komplett anders empfunden. Die ganze Stadt erschien mir plötzlich wie ein riesiger Pilgerkommerztempel, voller Touristen, laut, grell, teuer. Vielleicht lag das daran, dass ich dieses Mal die Strecke als wesentlich entbehrungsreicher wahrgenommen habe, dass diese fünf Wochen einer tatsächlichen Pilgerreise im ursprünglichen Sinne ähnlicher waren, als die sehr kommerzialisierte und deutlich bequemere Tour auf der Nordroute. 

Ich habe mal gesagt, wenn man schon pilgert, dann pilgert man nach Santiago. Heute denke ich, dass es eigentlich komplett egal ist, wohin es geht. Das Tolle am Pilgern ist es, wochenlang ganz bei sich zu sein, alleine mit seinen Gedanken, Zeit zu haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und das geht unabhängig davon, ob da irgendwo eine Pilgermuschel auf dem Wegweiser klebt.

Verkaufsschild an einer Hausruine

Über kleine und große Abenteuer

Man malt sich ja immer aus, was da auf einen zukommt, wie das wohl werden wird, diese Wanderung durch Portugal. Ich hatte ein bestimmtes Bild im Kopf, eine Vorstellung, die natürlich von meiner Erfahrung auf der Nordroute beeinflusst war. Doch das, was dann kam, war unerwartet. Ich hielt diese Tour für ein weiteres kleines Abenteuer. Was man eben so mitnimmt in einem Reiseleben. In Wahrheit wurde diese Wanderung zu meinem großen Abenteuer. So groß, dass man es eigentlich in Kapitalen schreiben müsste. So groß, dass es schwer zu übertreffen sein wird.

Ich werde natürlich trotzdem wieder wandern, das ist ja nichts, was man einfach so bleiben lässt, bzw. lassen kann. Die Via Lusitana liegt jetzt ein halbes Jahre zurück und es kribbelt schon wieder in den Wanderwaden. Die Via de la Plata, also den Silberweg, möchte ich auch noch laufen. Von Sevilla über Mérida, Salamanca und Zamora nach Santiago. Und dann bin ich, glaube ich, wirklich durch mit den iberischen Pilgerwegen. Danach wandere ich einmal rund um Mallorca :-)

Kathedrale von Santiago

Wart ihr auch schon mal pilgern? Wir freuen uns über eure Kommentare hier unter dem Artikel!

Pflichtangabe*


CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.

Kommentare

  • Ueli
    03.12.2017 | 11:35 Uhr
    Bin von zu Hause nach Santiago am Stück, nach Rom, die via de la plata... und nun bereit für die via lusitana, aber nur bis Ourense. Santiago beim 2. Mal hat mich schon etwas genervt. Am meisten beunruhigen mich die Berichte über die Hunde...