Unvergessliche Momente auf Sulawesi

Unberührte Inselwelten und uralte Rituale

Unvergessliche Momente auf Sulawesi

Ein Rückblick auf das Projekt "SmartDownUnder"


Wer noch nicht genau weiß worum es geht, hier eine kurze Zusammenfassung: Edith und Stephan, alias "Hummeln im Arsch", begannen im Juli 2016 ihr großes Projekt "SmartDownUnder" und ihr Ziel war es von Köln nach Australien zu reisen ohne ein einziges Mal ein Flugzeug zu betreten. Eine große Herausforderung. Haben sie es geschafft? Nun sind die zwei schon ein Weilchen zurück und wir möchten dieses Abenteuer mit den beiden rekapitulieren und Erinnerungen wecken. 

1. Gestartet seid Ihr am 11. Juli 2016 von Köln nach Warschau. Enden sollte eure Reise im August 2017. Hättet ihr euch damals vorstellen können letztlich noch länger auf großer Reise zu sein?

Edith: Eigentlich nicht. Stephan liebäugelte schon früh mit dem Gedanken, ich hielt das anfangs für absurd. Die Zeit mit unseren Freunden hatte sich vor der Abreise sehr intensiv gestaltet. Nach der ersten Reiseeuphorie spürte ich, dass mir manchmal der Schwatz mit einem guten Freund fehlt.

Stephan: Auf jeden Fall! Mich zieht es seit mehr als 20 Jahren in die Ferne. Ich könnte hier meine Zelte auch komplett abbrechen und woanders leben. Ich wusste von Beginn an, dass ich auch länger unterwegs sein könnte. Edith braucht für solche Entscheidungen meist mehr Bedenkzeit. Wenn dann aber eine Entscheidung getroffen ist, steht auch sie voll und mit großer Vorfreude dahinter.

2. Was ging euch damals am Gleis in Köln durch den Kopf? Eine gewisse Angst vor dem Unbekannten?

Edith: Nein. Vielmehr: Wir haben es geschafft! Über mehrere Monate haben wir beide eine große Sorge mit uns herumgetragen, diese aber bis kurz vor der Abreise nicht miteinander geteilt. Aus Angst, dass das, wovor wir uns fürchten, könnte tatsächlich eintreten: Es könnte irgendetwas geschehen, das uns hindern könnte, die Reise anzutreten.

Stephan: Als wir dann unser letztes Foto vor dem Kölner Dom machten, dann am Bahnsteig standen und schließlich im Zug saßen, war das schon ein sehr besonderer Moment. Wir konnten das, glaub ich, gar nicht richtig greifen, was hier gerade passiert. Aber wir hatten es wirklich geschafft und konnten endlich losziehen.

3. Wann war euch klar, dass ihr so schnell noch nicht nach Hause kommt und euer Projekt verlängern wollt? 

Edith: Stephan vielleicht schon vor der Reise… :-) Ich habe lange damit gehadert. Gemeinsam haben wir immer wieder Argumente und Optionen durchgespielt. Z.B. auch, was wäre, wenn einer alleine weiterreisen oder zurückgehen würde. Während unseres ersten Urlaubes von der Reise auf Koh Chang Ende Januar 2017 (Urlaub bedeutete für uns in diesem Fall drei Wochen die Seele baumeln zulassen und mal nicht dauernd unterwegs zu sein) haben wir das Ritual entwickelt, täglich eine knappe Stunde im flachen Wasser zu plantschen und zu debattieren. Dabei ist die Entscheidung gefallen, weiter zu reisen. Länger als ein Jahr unterwegs zu sein. Von diesem Zeitpunkt an, war meine Reiselust nicht mehr zu bremsen. Ich hätte auch nach 25 Monaten noch weiterziehen können.

Stephan: Schon zu Beginn der Reise wusste ich, dass ich gerade meinen Traum und meine Leidenschaften auslebe. Mir war klar, dass ich länger reisen möchte als ein Jahr, soweit niemand krank wird o.Ä. Nach mehr als einem halben Jahr hatten wir uns aber schließlich gemeinsam entschieden zu verlängern. Mit allen Konsequenzen. Wir hätten auch gekündigt. Überraschenderweise haben beide Arbeitgeber aber einer Freistellung um ein weiteres Jahr zugestimmt. Übrigens: Nachdem Edith für sich die Entscheidung gefällt hatte zu verlängern, schien sie nicht im Traum daran zu denken, zeitnah nach Deutschland zurückzukehren… :-) Die Entscheidung war damals gesamtumfassend und nicht abhängig von Australien. Aber natürlich floss zu diesem Zeitpunkt auch der Faktor ein, dass wir den Weg bis Australien in unserem Reisetempo vermutlich niemals in der geplanten Zeit von einem Jahr geschafft hätten. Und dieses Ziel lag im Februar 2017, als die Entscheidung zur Verlängerung fiel, noch ganz deutlich vor unseren Augen.

4. Gab es während eurer Reise auch Augenblicke, an denen Ihr am liebsten alles hättet stehen und liegen lassen um zurück nach Köln zukehren? 

Edith: Es gab Momente, da verfluchte ich das Projekt „SmartDownUnder“. Warum reisen wir mit einem selbstgezimmerten Klotz am Bein?  Wofür oder für wen tun wir uns diesen ganzen Stress eigentlich an? Nicht fliegen und dennoch das andere Ende der Welt erreichen. Insbesondere als uns klar war, dass der ursprünglich Plan, mit einem Segelboot von Indonesien nach Australien überzusetzen an den Wetterbedingungen scheitern wird. Wir waren einfach zu spät dran… Aber nach Köln oder Deutschland wollte ich in diesen Zeiten nie.

Stephan: Nein. Gab es nicht. Ich hatte nie im Sinn nach Deutschland zurückzukehren. Im Gegenteil. In Tiefphasen dachte ich oft, das ganze Projekt „SmartDownUnder“ einfach hinzuschmeißen. Gemeinsam mit Edith spielte ich dann Gedanken durch, welche Ziele wir stattdessen anstreben könnten. Wonach uns in solchen Momenten gerade die Lust stand: Mit dem Flieger nach Südamerika, Afrika oder… Die Gedanken ploppten immer mal auf, wenn unsere selbst gesetzten Regeln uns gewaltige Stolpersteine auf den Weg legten. In Indonesien z.B. ist es immer ein kleines Drama, eine Verlängerung für das Visum zu erhalten. Und der klassische Visa-Run per Landweg, ist auf einem solch riesigen Archipel z.T. gar nicht möglich oder aber eine zeitliche, nicht zu unterschätzende Herausforderung. Oder, wie Edith schon erwähnte, als wir zunächst keine Lösung für den Weg nach Australien fanden.

5. Gibt es einen bestimmten Moment während eurer Reise, der euch besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Edith: Die Zeit auf der indonesischen Insel Flores hat uns geprägt. Wir haben ein paar Tage im Süden verbracht und festgestellt, dass dies unser bis dato südlichste Punkte der Reise ist. Aber, wir wussten auch, dass unsere Optionen von hier mit einem Boot nach Australien zu schippern, nahezu bei null liegen. Und damit stellte sich uns die unumstößliche Frage, ob wir hier nun auch am Ende des Projektes „SmartDownUnder“ angekommen sind. Unterstützt wurden diese schwermütigen Gedanken von dem symbolträchtigen Namen der Stadt auf Flores, die keinen anderen Namen als „Ende“ trug.

Stephan: Die Phase in und um Ende herum war schon krass. Da hätte ich auch nicht mehr geglaubt, dass irgendwas geht, um Australien jetzt noch zu erreichen. Umso heftiger haben wir dann natürlich den Augenblick erlebt, als wir rund drei Monate später zum ersten Mal australischen Boden betreten durften. Wir hatten zuvor so lange gezweifelt, ob wir das Ziel, ohne Flugzeug das andere Ende der Welt zu erreichen, aktuell überhaupt noch anstreben. Letztlich haben wir all unsere Energie gebündelt, um das Projekt abzuschließen. Vermutlich hätten wir uns sonst auch den Rest unseres Lebens geärgert. Wie viele Tage und Monate hatten wir diesen Weg schon beschritten? Wir sind gegangen, gefahren und schippert, um irgendwann dieses Ziel zu erreichen. Dass wir es wirklich und real geschafft haben, hat uns den wohl größten Adrenalinkick dieser Reise verschafft.

6. Wenn Ihr euch entscheiden müsstet, welches Land oder welche Stadt hat euch am meisten beeindruckt?

Edith: Ganz klar: Australien! Hier erlebten wir den absoluten Überraschungseffekt- das Land hat uns völlig unerwartet von den Socken gehauen. Eigentlich stand Australien für unser Projekt „SmartDownUnder“ lediglich als ein Synonym für die andere Seite der Erde. Auf unserer Liste der Länder, die wir noch besuchen möchten, stand der Rote Kontinent jedenfalls ziemlich weit unten.

Stephan: Wir haben zu Beginn einen zweiwöchigen Roadtrip quer über den Kontinent von Perth nach Sydney unternommen. Eigentlich war uns klar, dass uns das ausreichen wird, zumal wir uns nicht vorstellen konnten mit unserem Budget länger in Australien bleiben zu können. Diese Zeit hat uns dann aber sowas von geflasht, dass uns schnell klar wurde: Hier müssen wir auf jeden Fall länger bleiben. Aus den angepeilten zwei Wochen wurden am Ende mehr als 4 Monate…

7. Was war der schönste und was der schlimmste Moment eurer Reise? 

Edith: Mein erster schlimmer Moment/ Tag ereignete sich bereits fünf Tage nach Abreise aus Deutschland, als Stephan wegen Dehydrierung in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert wurde. Eine Stadt, in der es nicht wirklich leicht ist, zu kommunizieren. Wir sind sehr, sehr wenigen Menschen im Alltag begegnet, die Englisch sprechen. Kyrillische Schriftzeichen machen es nicht besser. Wir waren vollkommen verloren. Stephan lag im halben Delirium, während ich mich vom Kasernenton der Krankenschwester runterbuttern lies, die mich aufforderte nach Hause zu gehen. Das ganze Drama geschah im 13. Stock in einem Quaratänezimmer des Krankenhauses. Heißt: Wir waren eingeschlossen!

Stephan: Über Moskau konnten wir später lachen. Aber den eigentlich schlimmsten Moment der Reise erlebten wir bei einem Motorradunfall in Laos. Wir hatten uns eine Honda Win gekauft und ausgestattet, um damit bis in den Süden und weiter nach Vietnam oder Kambodscha zu fahren. Mit einigen Schürfwunden, Verstauchungen und einem riesigen Schock sind wir davongekommen. Die Rahmenbedingungen aber waren heftig. Steile Serpentinen in den Bergen und ein entgegenkommender Fahrer, der uns die Kurve übel geschnitten hat. Die Situation war extrem brenzlig und hätte ganz anders enden können. Das hat uns kurzfristig den Boden unter den Füßen weggerissen, so dass wir erstmal ein paar Tage ausspannen, unsere Wunden lecken und darüber nachdenken mussten, ob das mit dem Motorrad wirklich eine gute Idee war. Zuhause und in unserem Blog haben wir davon gar nichts erzählt, da wir dort nur die Sorgen geschürt hätten.

Edith: Der schönste Moment, da spreche ich für Stephan mit, war sicherlich der, als wir in Australien angekommen sind. Der Augenblick, als wir an Tag 575 unserer Reise zum ersten Mal australischen Boden betreten durften und somit unser Ziel „SmartDownUnder - Auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien“ erreicht haben. Das war ein Moment des puren Glücks.

8. Drei Tipps, die ihr jedem Backpacker-Neuling mit auf den Weg geben würdet.

1. Reise mit offenen Augen und Ohren und der Neugier auf das Fremde. Lasse Landschaften und Kulturen auf Dich wirken. Lass Dich locken von Orten und Menschen, die Dir auf Deinem Weg begegnen und probiere Neues aus! Habe keine Angst vor Sprachbarrieren und nehme Kontakt zu den Menschen auf. Lass Dich von den Begegnungen inspirieren und überraschen. 

2. Reise langsam! Ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr. Stecke Dir wenige Ziele und bereise diese um so intensiver. Mache Dir einen groben Reiseplan. Mehr nicht. Dann lasse Dich treiben. Vermeide es, nur Touristen-Hotspots abzuklappern. Willst Du das Land und dessen Menschen kennenlernen, verlasse den Pfad des Mainstream zwischendurch auch mal. Nimm Dir Zeit, um anzukommen, damit Du die Chance hast, Menschen, Kulturen und Mentalitäten besser verstehen lernen zu können. 

3. Reise mit leichtem Gepäck! Auch hier gilt der Grundsatz „weniger ist mehr“. Denn neben der Grundausstattung, die Du für bestimmte Abenteuer brauchen wirst, kannst Du alles andere immer schnell mit der Hand waschen. Überlege Dir also im Vorfeld, was Du wirklich benötigst. Und vergesse nicht, dass Du die meisten Dinge des alltäglichen Lebens (Shampoo, Seife… auch am Ende der Welt bekommst.

9. Habt ihr viel im Voraus geplant? Wer hatte bei euch bei der Reiseplanung die Hosen an?

Edith: Planen ist relativ. Wir reisen in der Regel ohne größere Pläne. Allerdings müssen wir uns natürlich im Vorfeld schon mit den Rahmenbedingungen für eine Reise auseinandersetzen. Dazu gehören z.B. Visa-Anträge, Versicherungen, Material-Orga etc. Dafür bin ich zuständig. Vor unserem Aufbruch war dies natürlich weit mehr Aufwand, weil wir unser Leben in Deutschland abgesprochen haben. Neben zahlreichen Kündigungen oder Übergangsregelungen, habe ich mich z.B. mit der Abmeldung in Deutschland, dem Status der Krankenversicherung während der Zeit unserer Reise u.Ä. beschäftigt. Das war ein ganz schöner Aufwand, weil leider nicht immer alles so einfach zu handeln ist, wie es scheint und die Behörden große Stolpersteine für Menschen wie uns in den Weg legen.

Stephan: Es bleibt nicht aus, daß auch ich mich mit dem Orga-Kram beschäftigen muß, den Edith als ihre Hauptaufgabe sieht. Aber eigentlich beschäftigte ich mich im Vorfeld meist mit möglichen Zielen auf der Reise und mache mich in Reiseführern und dem Netz schlau. Letztlich planen wir aber nicht wirklich viel. Egal, ob wir 4 Wochen oder ein Jahr unterwegs sind. Es gibt immer einen groben roten Faden, der bestimmte Stationen beinhaltet und, der bei „SmartDownUnder" irgendwann nach Australien führen sollte. Was uns dann aber vor Ort reizt und neugierig macht, wissen wir vorher schließlich nicht. Daher lassen wir uns treiben, schauen was kommt und entscheiden meist nach Gefühl, was als nächstes ansteht.

10. Folgendes Bild aus der Mongolei ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:

Edith:  Das Bild wurde in der Wüste Gobi aufgenommen, die wir, wenn wir schon in der Mongolei sind, damals auch unbedingt besuchen wollten. Da haben wir mal wieder gegen unsere eigene Regel verstoßen: Weniger ist mehr. Lieber ein oder zwei Ziele. Und erst recht nicht in einem Land wie der Mongolei in völlig entgegengesetzter Richtung. Lange Rede: Ich habe durchaus spannende Momente (einen geplatzten Reifen mitten in der Wüste) und schöne Erinnerungen (die Landschaft ist beeindruckend) an diesen Trip. Damals hatten wir individuelle Wunschvorstellungen an diesen Trip, haben aber dennoch über eine Agentur gebucht. Drei Nächte vor Ort, ein Fahrer, ein Guide. Das Ganze war letztlich eine klassische Touri-Tour, die ich mir hätte sparen können.

Stephan: Meine Erinnerungen im Hinblick auf die Rahmenbedingungen teile ich mit Edith. Wenn ich dieses Bild aber sehe, dann habe ich gleich ganz andere Assoziationen. Wir sind damals lange vor Sonnenaufgang in unserem Camp aufgebrochen, um diese Düne zu besteigen. Das Wetter war schlecht und der Aufstieg mega anstrengend. Nicht nur Edith, selbst unser Guide sind auf halber Strecke stecken geblieben und nicht bis nach ganz oben gekommen. Der Aufstieg hat viel länger gedauert, als unser Guide eingeplant hatte. Ich kam fix und fertig auf dem Dünenkamm an, hatte aber das Glück, so gerade noch pünktlich zum Sonnenaufgang dort zu sein. Der Moment ist mir eindrücklich im Gedächtnis geblieben, wenn er jetzt auch nicht zu meinen spektakulärsten Augenblicken der Reise gehört.

11. Gibt es einen oder mehrere Orte, die während eurer Reise zu kurz gekommen sind und von denen Ihr gerne mehr gesehen hättet? 

Edith: Definitiv! Sowohl die Mongolei als auch der tibetisch geprägte Teil im Westen Chinas hat unglaublich viel Potential. Und Indonesien ist eines dieser Länder, daß uns unglaublich gut gefallen hat. Das Archipel ist flächenmäßig jedoch riesig. Aufgrund der schlechten Infrastruktur sind die Reisewege über Land sehr, sehr lang. Hier fehlen uns daher noch viele Ecken, die wir gerne irgendwann erkunden möchten.

Stephan: In Australien hätten wir die Westküste Richtung Norden und die gesamte Kimberly-Region gerne noch bereist, was aber aufgrund der Wetterbedingungen damals nicht umsetzbar war. Die Klimabedingungen haben uns auch in anderen Regionen abgehalten diese zu bereisen. Darüber hinaus fehlte machmal auch die Zeit, obwohl wir noch andere Teile des Landes hätten sehen wollen. Das hing meist mit den Visa-Regelungen zusammen. In China z.B. hätten wir keine weitere Verlängerung mehr erhalten. In Indonesien war dies immer mit immensem Aufwand verbunden, so daß wir uns die 4. Verlängerung auch aufgrund der nahenden Regenzeit dann gespart haben.

12. Gibt es Gewohnheiten, die für uns vielleicht normal sind, die euch aber während eures Abenteuers in manchen Ländern in unangenehme Situationen gebracht haben?   

Edith: Ich habe kein konkretes Beispiel zur Hand. Aber grundsätzlich ist es immer wieder aufgefallen, dass wir, die wir aus der westlichen Welt kommen und freiheitlich, demokratisch und zur Meinungsäußerung erzogen sind, leicht anecken können. Manchmal sind das Situationen im Alltag, in denen Du gar nicht drüber nachdenkst. Beim Bus- oder Taxifahren. Im Hostel. Gerade in Asien ticken die Menschen so, als ob sie ihr Gesicht verlieren würden, wenn sie z.B. lautstark diskutieren oder sich gar streiten. Wenn wir uns aber z.B. übers Ohr gehauen fühlten, weil man uns bspw. mehr als den üblichen Touristenpreis abziehen wollte, sind wir ganz schnell in der Rolle des Deutschen, der für seine Rechte einsteht. Das kann sehr unangenehm sein.

13. Was habt ihr aus Deutschland bzw. Köln am meisten vermisst und was vermisst ihr jetzt wo ihr zurück in Deutschland seid? 

Edith: Ein wichtiger Faktor sind die engen sozialen Kontakte. Du lernst auf der Reise Menschen kennen, von denen eine Hand voll besonders intensive Beziehungen hervorrufen und nachhaltig sind. Aber langjährige Freundschaften sind dadurch nicht ersetzbar. Das hat mir durchaus manchmal gefehlt, auch wenn ich wusste, dass die wichtigen Menschen sich nicht aus meinem Leben verflüchtigen, egal wie lange wir unterwegs sind. Ich konnte das Bierchen in der Eckkneipe dann aber manchmal bei einem Sunshine-Drink am Meer genießen, wenn Freunde aus Deutschland uns auf der Reise besucht haben.

Stephan: Wir können aber Beide, da spreche ich für Edith mit, klar sagen, dass es sonst nichts gab, was wir vermisst haben. Es fehlte uns tatsächlich nichts, selbst dann, wenn wir in den rudimentärsten Situationen gelebt haben. Natürlich freut Du Dich auch nach kalten und regenreichen Tagen im löchrigen Zelt, ohne fließendes Wasser und Toilette, durchaus auf eine heiße Dusche. Aber es gab keine Wünsche oder Sehnsüchte, die uns aktuell in Erinnerung sind. Fehlte irgendwas Materielles, brauchten wir es letztlich nicht oder konnten es adäquat ersetzen. Als wir zurück nach Köln gekommen sind, hat uns vor allem diese Konsumflut und die Masse erschrocken. Wir hatten schon ordentlich an Eigentum abgespeckt. Doch als wir unsere Kisten sahen, wussten wir, dass wir den ganzen Kram einfach gar nicht mehr brauchen. Wir vermissten unsere Freiheit, auch frei von Materiellem zu sein. Bis zu einem gewissen Grad konnten wir uns das Spartanische in unserem Leben durchaus beibehalten. Wir besitzen z.B. nur super wenig Geschirr, brauchen wenige Möbel und haben nach wie vor viel weniger Klamotten als früher. Aber, auch wir haben uns wieder einlullen lassen. Ist der Kühlschrank voll, greifst Du viel eher zu dem, was Du vielleicht gerade gar nicht brauchst. Ist keine Schokolade da, muss ich sie auch nicht essen.

Edith: Was wir bis heute vermissen, da spreche auch ich für Stephan mit, ist unsere Freiheit. Auf der Reise konnten wir jeden Tag auf’s Neue entscheiden, wo uns der Bauch hintreibt. Wir lebten inmitten einsamer und wunderbarer Natur. Sind Menschen begegnet, deren Fokus nicht nur im Erfolg und dem damit verbundenen Druck liegt. Wir vermissen die Begegnungen mit Einheimischen wie Reisenden, die ihr Glück nicht (oder nicht nur) am neuesten Smartphone, einem Haus oder der Superposition im Job festmachen.

14. Ob ein Büffelrennen auf Bali oder ein Stockkampf auf Lombok, es sieht so aus als hättet ihr kaum ein traditionelles Ereignis ausgelassen. Was ging euch während der skurrilsten Veranstaltungen so durch den Kopf?

Edith: Interessanterweise sind wir in viele der traditionellen Festlichkeiten mehr so „reingerutscht“. Vom Mondfest in China wurden wir ebenso unwissend überrascht wie von einer Beerdigung auf Sumatra. Das Büffelrennen oder der Stockkampf fielen zufällig in unsere Zeit vor Ort genauso wie spannende Rituale, die wir auf Sulawesi miterleben durften. Letztlich war jedes Ereignis besonders und sehr unterschiedlich. Oft habe ich traditionelle Szenarien mit gespannter Neugier beobachtet. Meist hatte ich viele Fragen, die ich unbedingt beantwortet haben musste, um Handlungen und irritierende Szenen besser verstehen zu können. Auf manchen Festen hingegen bin ich vom Freudentaumel der Einheimischen so mitgerissen worden, dass ich nur das Glücksgefühl genießen wollte. Da habe ich maximal neidische Gedanken gehabt. Nur im positiven Sinne! Ich fand die Menschen großartig und wünschte mir von diesem wirklich authentischen, lebensbejahenden Strudel der Gefühle mehr in meinem eigenen Leben und in unserer Gesellschaft.

Stephan: Spontan kommt mir da das Pi Mai, das laotische Neujahrsfest in Laos in den Kopf. Ich feiere gerne und ausgelassen. Doch die Atmosphäre, die ich während der Tage des Pi Mais erlebt habe, war gänzlich anders, als alles, was mir in den vergangenen 40 Jahren auf Partys, Festivals oder selbst im Karneval widerfahren ist. Die Menschen leben im völligen Einklang mit ihrem Glauben und miteinander. Das Glück und die Freude strahlen ihnen geradezu aus dem A…  Die Stimmung ist absolut auf mich übergeschwappt - wie im Rausch. Das Faszinierendste war sicherlich, diese schiere Begeisterung über eine ganze Woche, die einfach nicht abbrach. Die meisten dieser Menschen sind sehr gläubig, das Pi Mai ist ein hohes religiöses Fest. Und dennoch darf die Etikette schwinden: Es darf gesungen, getrunken, gelacht und getanzt werden. Die Laoten zelebrieren das Fest in einer solchen Ausgelassenheit im Namen Buddhas, wie es die Kirchen hierzulande wohl kaum zulassen würden. 

15. Was ist das skurrilste, das ihr erlebt habt? 

Edith: Wir haben gemeinsam überlegt und hatten durchaus skurrile Erlebnisse im Hinblick auf Rituale o.Ä. Ein Absurdium der anderen Art ist uns aber in Shaxi, im westlichen China, widerfahren. Wir hatten uns in einem wunderschönen, traditionellen Haus ein Zimmer mit Bad genommen. Beim ersten Toilettengang kurz nach der Ankunft, entdeckte ich Blutspuren an der Wand. Ziemlich offensichtlich und wahrscheinlich, dass es sich um Menstruationsblut handelte. Wir sind sonst nicht so pingelig. Bäder sollten sauber sein, aber wir müssen nicht vom Boden essen können. Und manchmal wische ich halt selbst nochmal über die Toilette. So what. In Asien ist oberflächliche Sauberkeit schon okay, solange wir uns nicht ekeln müssen. Aber dann…

Stephan: …dieses Kriterium wurde in Shaxi leider nicht erfüllt. Es war richtig fies. Ein Grund, warum Edith dieses Mal an der Rezeption darum gebeten hat, das Bad noch einmal putzen zulassen. Als sie der Dame die offensichtlichen Spuren zeigte, zögerte diese nicht, mit der erneuten Reinigung zu beginnen. Soweit so gut. Hätte sie dann nicht, während wir noch zuschauten, die Klobürste aus der Halterung genommen und damit fleißig angefangen die Wand zu schrubben… Das war der Augenblick, in der unserer Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt waren und wir uns gar nicht vorstellen mochten, wie hier sonst so geputzt wird. Mir rollten sich schon die Zehennägel vor Ekel auf. Eine Skurilität sondergleichen. Aber auch ein triftiger Grund umgehend wieder auszuziehen, fanden wir.

So, das war es auch schon von Edith und Stephan. Ich bedanke mich ganz herzlich bei euch für die Antworten und dafür, dass wir alle ein Teil eures Abenteuers sein konnten. "SmartDwownUnder" hat zwar ein Ende gefunden aber ich bin mir sicher, dass es nicht die letzte Reise von euch war. Ich freue mich jetzt schon auf packende Geschichten und neue Orte von denen ihr berichten werdet.